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Andreas oder Die Vereinigten
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Andreas oder Die Vereinigten ist ein Romanfragment von Hugo von Hofmannsthal. Das Werk, an dem der Autor zwischen 1907 und 1927 immer wieder gearbeitet hatte, wurde nie fertiggestellt und zu Hofmannsthals Lebzeiten nicht veröffentlicht. Auf der Basis einer lĂ€ngeren, detailliert ausgearbeiteten Textpassage vom Anfang des geplanten Werks erschien 1930 ein Vorabdruck in den ersten beiden Nummern der Zweimonatsschrift Coronacite-ref-1[1]. Die erste Buchausgabe brachte der S. Fischer Verlag 1932 heraus. Ansatzweise ist das Werk âam Schema des bĂŒrgerlichen Bildungs- oder Entwicklungsromansâcite-ref-2[2] orientiert, dessen Handlung die Titelfigur nicht nur zur Vereinigung mit einer Lebenspartnerin, sondern auch und vor allem zur Vereinigung mit sich selber bringen soll. Andreas, ein liebenswĂŒrdiger, wenn auch naiver und unsicherer junger Mann, reist von Wien nach Venedig, findet unterwegs in KĂ€rnten Unterkunft auf dem stattlichen Gehöft eines Bauern und verliebt sich in die junge Tochter des Besitzers. Er sieht sich aber genötigt, sofort wieder abzureisen, da sein betrĂŒgerischer Diener eine Untat begangen hat, die auch ihn selber in ein schiefes Licht rĂŒckt. In Venedig findet er Unterkunft im Haus eines verarmten Grafen und gerĂ€t in unabsehbare Verwicklungen, vor deren Auflösung die Handlung abbricht.
Trotz seiner Unabgeschlossenheit und viel beklagten FragmentaritĂ€t ist der Roman immer wieder euphorisch gerĂŒhmt worden. So bezeichnete es der in Italien lehrende Germanist und Schriftsteller Felix Braun 1935 als das vielleicht glĂŒcklichste Ereignis der deutschen Poesie nach der Entdeckung der Verse Hölderlins, und als eine Botschaft an das geistige Deutschland, die wie jene des Heinrich von Ofterdingen und von Witiko niemals enden wird.cite-ref-3[3]
Die neuere Forschung hat gerade im Fragmentcharakter des Andreas seinen Wert gefunden, insofern er der Zerrissenheit des modernen Subjekts Rechnung trĂ€gt: âGerade das Scheitern des Modells vom Bildungsroman, auf den man den Andreas nicht mehr festlegen kann, bezeugt die Aufrichtigkeit und die ModernitĂ€t dieses Fragments.âcite-ref-4[4]
Contents
âą Inhalt
âą Ăberlieferung
âą Entstehung
âą Rezeption
âą Interpretation
âą Form und Stil
âą Literatur
âą Ausgaben
âą Weblinks
âą Einzelnachweise
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Inhalt
Die Ăberlieferung des Romanfragments besteht aus einem relativ weit ausgearbeiteten, einen zusammenhĂ€ngenden Handlungsstrang darstellenden Hauptentwurf und aus einer groĂen Zahl von Einzelnotizen und kleineren EntwĂŒrfen. Die Handlung des Hauptentwurfs ist die folgende:
Am frĂŒhen Morgen eines Tagescite-ref-5[5] im September 1778 wird der 22-jĂ€hrige Andreas von Ferschengelder samt seinem GepĂ€ck von einem BarkenfĂŒhrer in einer verlassenen Gegend in Venedig abgesetzt. Der junge Wiener Bagatelladlige ist auf einer Bildungsreise. Er findet Unterkunft im Haus der Familie eines verarmten Grafen, wo er das ehemalige Zimmer der Ă€lteren Tochter Nina mieten kann, die bereits ausgezogen ist. Der Graf arbeitet in einem nahe gelegenen Theater als Lichtputzer, die GrĂ€fin als LogenschlieĂerin. Die jĂŒngere Tochter Zustina organisiert den Haushalt. Ihre beiden BrĂŒder rĂ€umen fĂŒr Andreas das Zimmer frei, in dem vorĂŒbergehend der Theatermaler Zorzi untergebracht war, und holen das GepĂ€ck von der Anlegestelle. Der Blick aus dem Fenster geht auf ein gröĂeres GebĂ€ude, bei dem es sich um das Theater Sankt Samuel handelt, wie Zorzi erklĂ€rt, eben jenem Theater, in dem er und die ganze Familie Prampero angestellt sind. Zorzi bietet sich an, Andreas spĂ€ter ein gutes Kaffeehaus zu zeigen und ihn bei Nina einzufĂŒhren.
Als Andreas allein im Zimmer ist, wird ihm bewusst, dass er seinen Eltern einen Brief schreiben mĂŒsste, um ihnen ĂŒber den bisherigen Verlauf seiner Reise zu berichten. Dabei gibt es nichts Erfreuliches zu erzĂ€hlen, und die quĂ€lenden Erinnerungen an die Herreise steigen in ihm auf. Er sieht sich wieder in Villach, wo sich ihm ein Bursche als Leiblakai aufdrĂ€ngte. Der prahlerische Gotthelff wusste Andreasâ Eitelkeit anzusprechen, so dass dieser ihn engagierte, obwohl er nicht geplant hatte, mit einem Diener zu reisen. Auch kaufte er fĂŒr ihn ein Reitpferd, das Gotthelff als gĂŒnstig angepriesen hatte. Unterwegs stachelte er Andreasâ Fantasie mit lĂŒsternen Reden an und nahm sich Frechheiten heraus, gegen die der unerfahrene Andreas kein Rezept fand. Da das neu gekaufte Pferd zu lahmen begann, musste eine Rast eingelegt werden. Sie ritten auf ein höchst stattliches Anwesen zu und baten darum, das Pferd pflegen zu dĂŒrfen. Sie wurden von den Besitzern, der Familie Finazzer freundlich aufgenommen. Beim Essen schĂ€mte sich Andreas wegen den prahlerischen Reden Gotthelffs, die nicht in die WohlanstĂ€ndigkeit der Familie Finazzer passen wollten. Nach dem Essen zeigte die Tochter Romana, noch ein halbes Kind, dem Gast die Dorfkirche und den Hof. Dabei erkannte Andreas, wie selbstverstĂ€ndlich das MĂ€dchen aufgehoben war in der Liebe der Eltern, der Tradition der adligen Vorfahren und der religiösen Ăberlieferung. Andreas war angetan von der freien und offenen Art Romanas. Er missverstand ihre kindliche Unbefangenheit als Einladung zu einer Liebesnacht; doch als er sie besuchen wollte, merkte er, dass sie nicht allein in ihrer Kammer schlief. Am andern Morgen wurde er durch einen LĂ€rm geweckt: Eine Magd, die sich mit Gotthelff eingelassen hatte, hatte ein Brandmal auf dessen Schulter entdeckt, das ihn als Verbrecher identifizierte. Dieser, da er sich entdeckt sah, hatte versucht, sie umzubringen, und war mit dem gesunden Pferd geflohen, womit Andreas mehr als die HĂ€lfte seines Reisegeldes verloren hatte, das im Sattel eingenĂ€ht war. Er erfuhr, dass das kranke Pferd, das er so âgĂŒnstigâ hatte kaufen können, auf dem Finazzerhof gestohlen worden war. Zwar machte ihm der Gutsherr keinen Vorwurf, doch fĂŒhlte er sich schuldig, den Schurken auf den Hof gebracht zu haben. Ihm dĂ€mmerte, dass einiges von Gotthelffs Persönlichkeit auch in ihm selbst schlummerte. So wurde es ihm schwer, noch zwei Tage auf dem Hof warten zu mĂŒssen, bis ein Fuhrmann vorbeikam, mit dem er weiterreisen konnte. Romana war ihm aus dem Weg gegangen, erst unmittelbar vor der Abfahrt sah er sie noch einmal. Sie zerriss ihre Halskette und gab ihm wortlos ein StĂŒck davon. Der Gedanke, dass er zurĂŒckkommen könne, als der gleiche und als ein anderer, gab ihm etwas Hoffnung und Trost. Nachdem sie den Finazzerhof schon ein gutes StĂŒck hinter sich gelassen hatten, wies ihn der Fuhrmann auf einen hoch oben, in der Sonne kreisenden Adler hin. Die Ahnung, dass man von dort oben noch den Finazzerhof sehen konnte, brachte ihm Romana wieder nahe und erfĂŒllte ihn mit einem nie dagewesenen GlĂŒcksgefĂŒhl.
Der Maler Zorzi holt ihn ab, um ihm das Kaffeehaus zu zeigen. Auf dem Weg nach unten kommt Andreas bei Zustina vorbei und trifft auf den Hausherrn, den Grafen Prampero. Die Eleganz der Worte, mit denen dieser sich Andreas vorstellt, steht in groteskem Gegensatz zur ErbĂ€rmlichkeit seiner wirtschaftlichen Lage und mangelnden AutoritĂ€t gegenĂŒber seiner Tochter Zustina, die ihn herumkommandiert und mit AuftrĂ€gen eindeckt. Sie ist geschĂ€ftig im Haushalt, kĂŒmmert sich um den Braten im Ofen, rechnet die Ausgaben nach und fĂŒttert einen Vogel, dessen Bauer im Fenster hĂ€ngt. FĂŒr Andreas hat sie ein paar VorsichtsratschlĂ€ge, da sie ihn als unerfahrenen JĂŒngling einschĂ€tzt. Auf dem Weg zum Kaffeehaus fragt Andreas den Maler, was es mit der Lotterie auf sich habe, von der er im Hause Prampero schon mehrfach reden gehört habe. Zorzi erklĂ€rt ihm, dass die Jungfernschaft Zustinas versteigert werde, indem Lose verkauft werden an eine Zahl von handverlesenen, ehrenwerten MĂ€nnern. Zustina versuche auf diese Weise, der Familie wirtschaftlich unter die Arme zu greifen. Andreas werde sich leider nicht direkt an der Lotterie beteiligen können, da keine Lose an Fremde vergeben wĂŒrden, höchstens, dass einer der Beteiligten dazu veranlasst werden könnte, sein Los an Andreas abzutreten, wobei allerdings mit einem betrĂ€chtlichen Aufpreis zu rechnen wĂ€re. Im Kaffeehaus fĂ€llt Andreas die hochgewachsene Gestalt eines Besuchers auf, der an einem der kleinen Tische schreibt und dabei eine ungemĂŒtliche Haltung einnehmen muss, da er die langen Beine kaum unterbringen kann. Zorzi erklĂ€rt ihm, dass es sich dabei um den Malteserritter Sacramozo handle, der einer Freundin tĂ€glich mehrere lange Briefe schreibe, obwohl er sie auch fast jeden Tag sehe. Dabei sei er nicht einmal ihr Liebhaber, denn sie liege entweder auf den Knien in einer Kirche oder krank im Bett. Ein Blatt seiner Korrespondenz wird vom Wind unter Andreasâ Tisch geweht. Als dieser es ihm bringt, nimmt er es zuerst an, will es dann aber Andreas zurĂŒckgeben, da es weder von seiner Hand noch an ihn gerichtet sei.
Zorzi und Andreas gehen zu Nina. Vor dem Haus bittet Zorzi Andreas zu warten, er wolle zuerst sehen, ob sie fĂŒr Besucher bereit sei. Andreas geht inzwischen zu einer nahe gelegenen kleinen Kirche, wo ihm eine offenbar sehr fromme, flehentlich blickende junge Frau auffĂ€llt. Gleichzeitig mit ihm, aber durch eine andere TĂŒr, betritt sie den Kirchenraum. Andreas sieht, wie sie auf einen Betstuhl zugeht, bedrĂŒckt und im Gang gehemmt. Um ihre Andacht nicht zu stören, will er die Kirche wieder verlassen, doch als er sich in der TĂŒr nochmals umblickt, sieht er dort, wo eben noch die Betende war, eine andere Gestalt, zwar Ă€hnlich gekleidet, aber viel freier, ja fast herausfordernder im Betragen und im Blicken. Diese verlĂ€sst nun die Kirche ihrerseits, und da Andreas auf dem RĂŒckweg nicht an ihr vorbeigehen möchte, geht er nochmals in die Kirche zurĂŒck, wo er keine Spur mehr von der Betenden sieht. Als er jetzt wieder auf die StraĂe geht, ist auch die andere Frau verschwunden und er geht zurĂŒck zu dem Haus, in dem Nina wohnt, ist sich aber nicht mehr sicher, welches Haus das war. Er betritt einen ruhigen, von Weinlaub bedeckten Innenhof und erschrickt, als sich von oberhalb des BlĂ€tterdachs ein weibliches Gesicht durch eine freie Stelle zu ihm heruntersenkt, ihn mit wilder Gespanntheit und seltsamer Befriedigung anblickt. Blutige Finger strecken sich nach ihm aus; und kurz bevor die Figur herunterzufallen droht, zieht sie sich zurĂŒck, offenbar ĂŒber die Mauer in einen angrenzenden Hof. Als Andreas dort nachschauen gehen will, was es mit der Erscheinung auf sich hat, kommt ihm aus diesem Haus Zorzi entgegen, erklĂ€rt ihm, es gebe da keinen Innenhof, aber er werde die betreffende Person schon ausfindig machen, sollte sie noch einmal in dem Quartier auftauchen. Jetzt sollten sie zu Nina gehen, sie erwarte sie. Allerdings ginge bei ihr alles drunter und drĂŒber, ihr Protektor habe einem seltenen Vogel, den sie tags zuvor geschenkt bekommen habe, den Kopf abgebissen, und sich aus Wut an einem ihrer Verehrer rĂ€chen wollen, aber einen falschen verprĂŒgeln lassen, und nun hĂ€tten die Sbirren alles durchsucht.
Als sie bei Nina eintreten, ist Andreas immer noch aufgewĂŒhlt von den unerklĂ€rlichen Begegnungen in der Kirche und im Hof. Er ist sich sicher, dass sie zusammenhĂ€ngen und ihm persönlich gegolten haben. Nina empfĂ€ngt den Besucher auf einem Sofa; alles um sie ist hell und freundlich. Ein von Zorzi gemaltes, aber zerschnittenes PortrĂ€t von Nina lehnt an der Wand. Zorzi entfernt es. Nina, die das Bild verabscheut, da es sie entstellt, fragt Andreas, wie er es finde. Andreas antwortet rĂ€tselhafterweise mit âsehr Ă€hnlich und sehr hĂ€sslichâ, was Nina nur als Unfreundlichkeit verstehen kann. Er beeilt sich immerhin nachzuschieben, wenn er sie malen wĂŒrde, kĂ€me etwas anderes heraus. Durch das Fenster sieht Andreas einen Dachgarten, und er fragt Nina, ob das ihr Garten sei. Sie bedauert, sich den Garten nicht leisten zu können, obwohl sie ihn gerne hĂ€tte. Andreas stellt sich sofort vor, wie es wĂ€re, den Garten fĂŒr Nina anzumieten. Er könnte ihr gegenĂŒber dann als Gönner auftreten. Er könnte sie kĂŒssen, ohne damit rechnen zu mĂŒssen, von irgendeinem zufĂ€llig Eintretenden ĂŒberrascht zu werden. Er ergreift ihre Hand, schwankt zwischen EntzĂŒcken und Bangen. Beim Abschied bittet er um die Erlaubnis, wieder kommen zu dĂŒrfen.
Unten trifft er auf Zorzi, verabschiedet ihn jedoch bald und macht sich nochmals auf die Suche nach der rÀtselhaften Person. Doch weder auf dem Platz vor der Kirche noch drinnen findet er jemanden.
An dieser Stelle bricht der ausgearbeitete Hauptentwurf ab. Zum besseren VerstĂ€ndnis des Geschehens lĂ€sst sich aufgrund der vorhandenen Notizen â und bei aller ZurĂŒckhaltung, was das Erraten des von Hofmannsthal nicht ausgefĂŒhrten weiteren Handlungsverlaufs betrifft â noch folgendes ergĂ€nzen:
Die rĂ€tselhafte Begegnung mit einem weiblichen Wesen, die Andreas vor und in der Kirche, sowie spĂ€ter im Innenhof widerfĂ€hrt, beruht auf der Persönlichkeitsspaltung einer Figur, die in den Notizen oft als Maria und Mariquita, manchmal auch als MI und MII erscheint. Maria (MI, auch âdie Dameâ oder âdie GrĂ€finâ) bezeichnet dabei den vornehmen, frommen, aber auch gehemmten Teil der Person, wĂ€hrend Mariquita (MII, auch âdie Cocotteâ) den leichtlebigen, sinnlichen Teil darstellt. Hofmannsthal notiert sich: âDie Dame und die Cocotte sind beide Spanierinnen; sie sind Spaltungen ein und derselben Person; die sich gegenseitig trucs spielen.â (SW XXX, S. 10) Andreas wird beide nĂ€her kennenlernen.
Er wird auch den Malteserritter Sacramozo nĂ€her kennenlernen, der fĂŒr ihn eine Art Mentor werden wird, und der selber mit Maria in einer intrikaten Beziehung steht. Auf dieses VerhĂ€ltnis spielt Zorzi mit seiner Bemerkung ĂŒber die Brieffreundin von Sacramozo an.
Ăberlieferung
Da Hofmannsthal den Roman nicht abgeschlossen und nicht veröffentlicht hat, stellt sich die Frage, wie dieser Werkkomplex zu definieren ist. Im Nachlass finden sich 493 BlĂ€tter, die Manfred Pape, der Herausgeber des Andreas-Bandes der Kritischen Ausgabe, dem Andreas-Roman zugeordnet hat.cite-ref-6[6] Von diesen BlĂ€ttern bilden 99 einen weitgehend ausgearbeiteten, zusammenhĂ€ngenden Hauptentwurf, wĂ€hrend die ĂŒbrigen kleinere EntwĂŒrfe und Aufzeichnungen umfassen, die in der Kritischen Ausgabe als 385 Notizen wiedergegeben sind. Der Hauptentwurf erstreckt sich dort ĂŒber 59 Seiten (Seiten 39 bis 97), die Notizen ĂŒber 153 Seiten (Seiten 7 bis 38 und 98 bis 218). ErgĂ€nzend enthĂ€lt der Anhang 45 Seiten mit Varianten. Von den Notizen, die ĂŒber einen Zeitraum von 20 Jahren entstanden sind, ist kaum ein Zehntel datiert.cite-ref-7[7] Einige Aufzeichnungen berĂŒhren sich mit andern Werken Hofmannsthals. So stehen die frĂŒhen Notizen im Umfeld der Briefe des ZurĂŒckgekehrten, wĂ€hrend die spĂ€teren Aufzeichnungen in den Plan eines historischen Romans ĂŒber den Herzog von Reichstadt hineinspielen,cite-ref-8[8] der wie das Andreas-Projekt nie abgeschlossen wurde.
Entstehung
Erste Aufzeichnungen zu dem Werkkomplex, aus dem spĂ€ter der Andreas wurde, gehen auf das Jahr 1907 zurĂŒck.cite-ref-9[9] Die ersten Notizen stehen unter dem Titel âDas Reisetagebuch des Herrn v. N.âcite-ref-10[10] Hofmannsthal arbeitete damals an den Briefen des ZurĂŒckgekehrten und dachte in diesem Zusammenhang auch an einen Teil mit dem Titel Das venezianische Tagebuch des Herrn von N. Doch Die Briefe des ZurĂŒckgekehrten erreichten nie den ursprĂŒnglich geplanten Umfang und die Tagebuch-Geschichte erhielt SelbstĂ€ndigkeit. Hofmannsthal trieb den Plan unter verschiedenen möglichen Titeln weiter. Bis 1911 findet man z. B. Venezianisches Tagebuch; venezianisches Abenteuer; die spanische Dame. Mit der âspanischen Dameâ ist Maria gemeint, wie die Notizen erkennen lassen. Dass sie von Hofmannsthal als Titelheldin erwogen wurde, zeigt die Bedeutung dieser Figur fĂŒr das Romangeschehen und lĂ€sst erahnen, âdaĂ Hofmannsthal von Anfang an die gespaltene Natur der Frau zu einem Kernthema seines Romanvorhabens machen wollteâ.cite-ref-11[11]
Der Protagonist heiĂt in diesen frĂŒhen EntwĂŒrfen noch Leopold, im Hauptentwurf dann konsistent Andreas, allerdings oft in der mundartlichen Form Andres. EntwĂŒrfe zu Kapiteleinteilungen lassen erkennen, dass Hofmannsthal die in KĂ€rnten spielende Episode ursprĂŒnglich an den Anfang stellen wollte, und nicht wie nun im Hauptentwurf, wo sie nach der Ankunft in Venedig als RĂŒckerinnerung des Protagonisten gefasst ist.
Die Arbeit am Hauptentwurf begann am 12. September 1912, wurde am 8. Oktober 1912 unterbrochen, am 18. Juli 1913 (also fast 10 Monate spĂ€ter) wieder aufgenommen und fortgesetzt bis zum 29. August 1913. âIn diesen beiden ZeitrĂ€umen hat Hofmannsthal jeweils fast tĂ€glich [am Hauptentwurf] gearbeitet. Die Arbeitspause von immerhin fast 10 Monaten [âŠ] ist nicht im geringsten spĂŒrbar. Es ist erstaunlich, mit welcher EinfĂŒhlungskraft und Konzentration Hofmannsthal nach Ianger Pause die Arbeit an seinem Romanplan [wieder] fortfĂŒhren konnte, ehe sich dieser im Notizenlabyrinth endgĂŒltig verlieren sollte.âcite-ref-12[12]
An das Ende des Hauptentwurfs âhat Hofmannsthal eine Schleife gesetzt, so daĂ man annehmen kann, daĂ mit diesem Entwurf ein zusammenhĂ€ngender Teil des Romans vorlĂ€ufig entworfen war.âcite-ref-13[13] Trotz der weitgehenden Ausarbeitung hatte dieser Teil immer noch Entwurfscharaktercite-ref-14[14] und war nicht druckreif, dessen war sich auch Hofmannsthal selber bewusst,cite-ref-15[15] als er ihn Jahre spĂ€ter einer schwedischen Zeitschrift zum Druck angeboten hat.cite-ref-16[16] Diese Veröffentlichung kam aber nicht zustande.
Der Romantitel Andreas oder die Vereinigten erscheint erst im Oktober 1913, also zwei Monate nach dem Ende der Arbeit am Hauptentwurf.cite-ref-17[17] Dies ist insofern bemerkenswert, als dieser Titel fĂŒr die erste Buchveröffentlichung verwendet wurde und nachher die Wahrnehmung des Werks weitgehend bestimmt hat, bis zum Erscheinen der Kritischen Ausgabe 1982, die nur noch den Titel Andreas verwendet. Mit dem Hauptentwurf selber sind die beiden Titel Die Dame mit dem HĂŒndchen und Die wunderbare Freundin verbunden. Mit der âDame mit dem HĂŒndchenâ ist offenbar Maria/Mariquita gemeint, von der es in einer Notiz heiĂt: âDurch einen kleinen kurzathmigen King Charles Hund namens FidĂšle, der im Haus von MI immer versteckt ist, bis auf einmal, hĂ€ngen MI u. MII zusammen.âcite-ref-18[18]
Auch nach dem vorlĂ€ufigen Abschluss des Hauptentwurfs hat Hofmannsthal am Roman weitergearbeitet. Dabei hat er den Plan weitgehend neu konzipiert und das Geschehen in die erste HĂ€lfte des 19. Jahrhunderts verlagert.cite-ref-19[19] Es sieht so aus dass er âimmer mehr beabsichtigte, einen politisch-historischen Roman mit allerhand Einzelbetrachtungen zu schreiben, ein Kompendium seiner Zeit und seines eigenen Standorts, fernab von KĂ€rnten und Venedig; an die Stelle der Dissoziation einer Person tritt die Dissoziation einer Epocheâ.cite-ref-20[20]
Rezeption
In der Ăffentlichkeit fand das Romanfragment schon nach dem Vorabdruck in der Zeitschrift Corona und besonders auch nach der Buchveröffentlichung groĂes Echo und fast einhellig positive Aufnahme.cite-ref-21[21] Kritischere bis sarkastische Töne wurden nur im privaten Rahmen geĂ€uĂert. Im Folgenden ein paar Beispiele fĂŒr die Reaktionen kurz nach dem Erscheinen:cite-ref-22[22]
Eduard Korrodi kommentiert das Erscheinen der neuen Zeitschrift Corona, in deren erstem Heft der erste Teil des Hauptentwurfs abgedruckt wurde: âWas mir [âŠ] dieses erste Heft teuer macht, ist weder der beste Essayist Lytton Strachey, [âŠ] noch die eigentĂŒmliche Versenkung Thomas Manns in mythischen Grund, sondern einzig und allein das Romanfragment Hofmannsthals. Ein Getröstetsein in der eigenen Sprache ist die erste Wirkung. [âŠ] Die unbeschreibliche Ueberlegenheit der Sprache Hofmannsthals â eine letzte Ueberlegenheit seit Stifter und Keller â kann nimmer geleugnet werden.âcite-ref-23[23]
Rudolf Borchardt nimmt schon frĂŒh spĂ€tere wissenschaftliche Positionencite-ref-24[24] vorweg, wenn er eine peinliche autobiographische NĂ€he Hofmannsthals zu seinen Figuren sieht und dies als Grund fĂŒr den Abbruch der Arbeit angibt. Er schreibt im November 1930 in einem Brief an Rudolf Alexander Schröder: âDen Roman wirst du genossen haben wie ich, obwol [sic!] an ihm deutlich erkennbar bleibt, wie seine [Hofmannsthals] Kinder im dritten Gestationsmonat aussahen. Der erste Teil hat Stiftersche Residualtöne, die er zweifellos weggeblasen hĂ€tte, der zweite erlahmt natĂŒrlich deutlich â »natĂŒrlich« sage ich, weil er die GrĂŒnde des Liegenbleibens und nicht Weitermachens in sich enthĂ€lt. Wie immer wenn die Inspiration ihn verliess, drĂ€ngen sich in den Phantasieverlauf der Entwickelung stationĂ€re Motive aus frĂŒheren Conceptionen ein und fĂŒhren zum Absterben des Organismus, so ist hier das Durcheinander der Frauen in der Kirche und das verquer durch die Pergola blickende MĂ€dchen die Replik alter NervenquĂ€lereien aus der Geschichte der 672. Nacht â mit ihm weiter gewachsen wie »Narben an dem Leib von Kindern«. Daneben Stellen und Situationen von einzigster Schönheit, wie der Schluss des KĂ€rtner [sic!] Kapitels, die Szene zwischen dem wirtschaftlichen Comtesschen, dem Heldenvater und dem jungen Burschen. Die letzte TĂȘte Ă TĂȘte-Szene dagegen das skurril-biographische Durcheinander seiner eigenen Erfahrungen â so haben seine selbsterlebten tĂ€ppisch schwermĂŒtig hilflosen Liebesszenen ausgehen â da hat er die Lust verloren und wĂŒrde das auch nie gedruckt haben. Man mĂŒsste alle Skizzen und EntwĂŒrfe dazu haben, um zu einem Bilde zu gelangen.âcite-ref-25[25]
Am 10. Dezember 1930 schrieb Stefan Zweig an Otto Heuschele: âDer letzte Roman wieder, den Sie in der »Corona« gelesen haben, beginnt so herrlich wie kein deutsches Prosawerk, und dann kam immer jene SchwĂ€che der Nerven, jene merkwĂŒrdige Angst in ihm, jene Unruhe, sich rasch wieder etwas Leichterem, NĂ€herem, Handgreiflicherem zuzuwenden, und all das wirkte zusammen zu einer tragischen Unzufriedenheit im Menschen, in dem doch der Genius deutlicher da war, als in irgendeinem anderen unserer Zeit.âcite-ref-26[26]
Walther Brecht Ă€uĂerte 1931 in den SĂŒddeutschen Monatsheften: âNur BruchstĂŒcke eines Kleinods sind es, die wir in der Hand halten â aber sie sind so kostbar, daĂ sie den vollen Wert des ganzen zu enthalten scheinen.âcite-ref-27[27]
Jakob Wassermann verfasste das Nachwort zur ersten Buchausgabe von 1932. Er hielt darin fest: â[âŠ] ich sah etwas wie einen österreichischen Wilhelm Meister entstehen.â Und: âWer hĂ€tte denken sollen, daĂ es dem herrlichen Gebilde bestimmt war, Fragment zu bleiben, eins von den unsterblichen deutschen BruchstĂŒcken wie die Schubertsche H-moll-Symphonie, der BĂŒchnersche Lenz und der Ofterdingen des Novalis?âcite-ref-28[28]
Felix Salten schreibt am 11. November 1932 in seiner Rezension in der Wiener Neuen Freien Presse: âHier wĂ€re das vergangene Ăsterreich unvergĂ€nglich auferstanden. Alle seelischen Elemente, alle musikalischen, aller Zauber der Landschaft, alle Wunder des Denkens, alles Leichte und Schwere, alles OberflĂ€chliche und Tiefe, woraus die Einmaligkeit des Ăsterreichertums sich zusammensetzt, alles war hier wie in einem Brennglas vereinigt, alles war vorbereitet. Ein Meisterwerk, zur Unsterblichkeit auserlesen, ist vernichtet, noch ehe es aufblĂŒhen konnte.âcite-ref-29[29]
Interpretation
Fragmentcharakter und IntertextualitÀt
Der Fragmentcharakter bringt zunĂ€chst das Bedauern mit sich, dass das Werk nicht vollendet wurde und die Klage ĂŒber den Verlust eines Wertes, den die Vollendung mit sich gebracht hĂ€tte; dann Spekulationen ĂŒber die Ursachen, die einen Abschluss der Arbeit verhindert haben; weiter die Versuchung, das Angefangene zu Ende zu denken und BrĂŒche zu glĂ€tten; schlieĂlich stellt sich die Frage, ob es zwingend ist, die Unvollendetheit als Mangel, den Abbruch der Arbeit als Scheitern zu verstehen, oder ob die Fragmentarik auch positiv gesehen werden kann. Im Bezug auf die Deutung des Werks stellen sich Fragen im Zusammenhang mit der Definition dessen, was zum eigentlichen Textkorpus zu zĂ€hlen ist und ob alle Teile den gleichen Stellenwert zugesprochen erhalten dĂŒrfen.
Alle diese Punkte spielen im Falle des Andreas eine Rolle. Das Bedauern ĂŒber die Unvollendetheit kommt in den ersten Rezensionen klar zum Ausdruck und ist im Abschnitt zur Rezeption bereits dargestellt. Bei den Spekulationen ĂŒber die Ursachen, die den Abschluss der Arbeit verhindert haben, sind verschiedene GrĂŒnde namhaft gemacht worden, angefangen bei zeitgeschichtlichen (die Katastrophe des Ersten Weltkriegs und der Zusammenbruch des österreichischen Kaiserreichs bei Wassermanncite-ref-30[30]), autobiographischen (die Gefahr, zu tief in die eigene Seele blicken zu lassen bei Hermann Brochcite-ref-31[31] und W.G. Sebaldcite-ref-32[32], oder psychologisch durch unbewusst wirksame, irritierende Bilder bei Wiethöltercite-ref-33[33]) bis zu einer ganzen Reihe von strukturellen, in der Konzeption selbst begrĂŒndeten Schwierigkeiten (die erotische KomplexitĂ€t bei Richard Alewyncite-ref-34[34], die InkommensurabilitĂ€t von Form und Inhalt bei David H. Milescite-ref-35[35], die schiere GröĂe des Vorhabens bei Manfred Papecite-ref-36[36], der Kompromiss zwischen Tradition und Moderne bei Achim Aurnhammercite-ref-37[37], die Untauglichkeit der Gattung âBildungsromanâ bei Jacques Le Ridercite-ref-38[38] und der Gattungskonflikt zwischen Romanhaftem und Dramatischem bei Inka MĂŒlder-Bachcite-ref-39[39]).
Was die VerfĂŒhrung betrifft, das Angefangene vervollstĂ€ndigen zu wollen, so gibt es im Falle des Andreas zwar keinen Versuch, ein Ende auszuformulieren und das Werk als Ganzes publizieren zu wollen. Aber allein schon das VerstĂ€ndnis des vorhandenen Korpus als Bildungsroman, nimmt im weitesten Sinn ein gedachtes Ende vorweg. Kommt dazu, dass einige Notizen auf eine â mindestens zeitweise â geplante Fortsetzung in diesem Sinne schlieĂen lassen. Es ist also nicht erstaunlich, dass einige Interpreten solche Fortsetzungen mindestens angedeutet oder skizziert haben.
Richard Alewyn stellt sich ein erfolgreiches Ende der âVereinigungenâ vor. Ausgehend von einer Notiz Hofmannsthals: âDie sich in jener einen Nacht Andres gibt, Geliebte, Schwester, Mutter, Heilige â ist die Ganze, weder Maria noch Mariquita, mehr als beideâ (SW XXX, S. 22) stellt er sich vor: âAndreas seinerseits wird »ganz«. Seine zwei Liebschaften sind eins geworden, indem ihre GegenstĂ€nde verschmolzen sind, und wie die Kluft zwischen diesen schwindet, vereinigen sich die feindlichen HĂ€lften seines Wesens. Heilend heilt er sich selbst. Mit der gegenseitigen Verwandlung haben Andreas und Maria ihre Aufgabe aneinander erfĂŒllt und damit trennen sich ihre Wege. Die »ganze« Maria ist nun frei fĂŒr die Vereinigung mit Gott [âŠ], der »ganze« Andreas ist reif fĂŒr die Vereinigung mit Romana. Seine Lehrjahre sind beendet.âcite-ref-40[40]
David H. Miles dagegen glaubt zwar auch an einen in diesem Sinne positiven Ausgang, aber nicht an eine Heirat von Andreas mit Romana. Vielmehr skizziert er eine Art idealer Liebe zwischen den beiden, die zwar nicht rein jenseitig, aber auch nicht banal diesseitig ist. Er spricht dabei von einer immanenten Transzendenz.cite-ref-41[41]
SpĂ€ter ebben solche Versuche ab, nicht zufĂ€llig im Einklang mit dem Verblassen des Bildungsroman-Paradigmas, das das VerstĂ€ndnis des Andreas lange bestimmte. Mit Verweis auf Mathias Mayercite-ref-42[42] hĂ€lt Achim Aurnhammer fest: âTrotz des zusammenhĂ€ngenden Hauptentwurfs hat sich in der Hofmannsthal-Forschung die Einsicht durchgesetzt, daĂ sich die nachgelassenen Fragmente nicht zu einem geschlossenen Werk ergĂ€nzen lassen.âcite-ref-43[43] Und Alexander Honold urteilt: â[âŠ] jeder Versuch, die Linien nachtrĂ€glich weiterzuziehen, bleibt notwendig spekulativ und unterstreicht ex post nur die Schwierigkeiten, die dem von Hofmannsthal angelegten ErzĂ€hltrajekt hinsichtlich seiner narrativen Konsistenz und KomplexitĂ€t schon inhĂ€rent waren.âcite-ref-44[44]
BezĂŒglich einer Neubewertung der Fragmentarik des Andreas hat als erste Angelika Corbineau-Hoffmann AnstöĂe geliefert.cite-ref-45[45] Im Rahmen einer Reflexion ĂŒber die Interpretierbarkeit von Fragmenten ĂŒberhaupt und im Anschluss an Jean-Louis Galaycite-ref-46[46] und Christoph Meckelcite-ref-47[47] propagiert sie âeinen fĂŒr die LektĂŒre und Analyse von Fragmenten so positiven wie produktiven Grundgedanken: ein fragmentarischer Text ist nicht primĂ€r ein Dokument des Scheiterns â und insofern von allenfalls historischem Interesse â, sondern Ausdruck einer Eigenbewegung und Selbstreflexion der Sprache, die eine LektĂŒre jenseits der Referenz, jenseits narrativer Prozesse fordert, eine LektĂŒre im Raum.âcite-ref-48[48] Im Fragment thematisiert der Text âweniger das vordergrĂŒndig Gesagte als jene anderen, erst im Diskurs erschlossenen Sinnbereiche, die mit dem ursprĂŒnglichen Ziel nicht mehr konvergieren: die Konnotationen gewinnen die Oberhand gegenĂŒber dem Denotierten.âcite-ref-49[49] Auf dieser Basis wird das VerstĂ€ndnis von Fragmenten möglich in einer âLektĂŒre, die den unvollendeten und in seiner inneren Struktur brĂŒchigen Text nicht als Ausdruck eines Mangels (an Konsequenz, an Geschlossenheit) versteht, sondern als Ergebnis eines Reichtums an Sinn, den die konnotative Textebene auffĂ€ngt und, das Denotierte verdrĂ€ngend, zum Ausdruck bringt.âcite-ref-50[50]
Zur Neubewertung der Fragmentarik des Andreas hat Mathias Mayer weitere Impulse geliefert. Er verweist auf die vielfĂ€ltigen intertextuellen BezĂŒge des Andreas nicht nur zur literarischen Tradition vor Hofmannsthal, sondern auch zu Werken und Projekten innerhalb des Hofmannsthalschen Ćuvres und konstatiert dementsprechend eine Offenheit und Grenzenlosigkeit des Andreas-Komplexes, die auch der Offenheit und Unbestimmtheit des Protagonisten entspricht.cite-ref-51[51] Auf dieser Basis wird dann eine Neubewertung der Fragmentarik möglich: âDie Fragmentarik des Romans ist Anzeichen eines nicht abwertenden, sondern â paradox gesagt â auszeichnenden Defizits. Ganzheit wĂ€re in diesem Fall nicht mehr, sondern weniger als jedes Fragment, denn das Fragment riskiert die Ăffnung zum Grenzenlosen.âcite-ref-52[52] Und: âWenn die Grenzenlosigkeit dieses Romans nicht nur als Scheitern und Ausufern zu betrachten ist, stellt sich die BrĂŒchigkeit des Individuums, die Zersetzung der IndividualitĂ€t, die ihre Grenzen nicht mehr zu finden vermag, als Innenansicht jener Fragmentarik dar, die den Roman von auĂen kennzeichnet.âcite-ref-53[53] âGerade das Scheitern des Modells vom Bildungsroman, auf den man den Andreas nicht mehr festlegen kann, bezeugt die Aufrichtigkeit und die ModernitĂ€t dieses Fragments.âcite-ref-54[54]
Als Ausweis der ModernitĂ€t sieht auch Achim Aurnhammer die Fragmentarik des Andreas: âHofmannsthal erprobt im »Andreas« sowohl in produktions- als auch in rezeptionsĂ€sthetischer Hinsicht [âŠ] das Fragment als ErzĂ€hlform einer Moderne, die sich der Tradition verpflichtet weiĂ.âcite-ref-55[55]
Die Ăberlieferungssituation des Andreas-Komplexes, eine FĂŒlle von EntwĂŒrfen und Notizen, die zum Teil in andere Werke Hofmannsthals â vollendete oder nicht vollendete â hinĂŒberspielen, bringt die Frage mit sich nach der Abgrenzung des Stoffes. Mathias Mayers Feststellung der Offenheit und Grenzenlosigkeit des Andreas zeigt schon die Schwierigkeit auf, die Frage zu beantworten und lĂ€sst erahnen, mit welchen Schwierigkeiten sich die Interpretation konfrontiert sehen muss. Kommt dazu, dass auch das VerhĂ€ltnis zwischen ausformuliertem Hauptentwurf einerseits und den Einzelnotizen andererseits zu klĂ€ren ist. Katrin Scheffer plĂ€diert dafĂŒr, dem Hauptentwurf einen anderen Status zuzuweisen als den Notizen: âDie Notizen sind fĂŒr die Analyse nicht in der gleichen Weise maĂgeblich, zumal aus ihnen keine Erkenntnisse ĂŒber eine ErzĂ€hlhaltung, ĂŒber sprachliche Feinheiten oder sequentielle ZusammenhĂ€nge entnommen werden können [âŠ].âcite-ref-56[56] Beim Interpretieren ist deshalb Vorsicht walten zu lassen, wenn Unklarheiten an einer Stelle mit Aussagen von anderen Stellen erhellt werden sollen. Verschiedene Passagen können unterschiedliche Stufen der Konzeption reprĂ€sentieren und sollten deshalb nicht fraglos aufeinander bezogen werden. Katrin Scheffer ĂŒbt dementsprechend auch Kritik wenn Interpreten diese Vorsicht nicht walten lassencite-ref-57[57], eine Kritik, die auch Achim Aurnhammer schon geĂ€uĂert hatte.cite-ref-58[58]
Literarische Tradition und Bildungsroman
Die frĂŒhen Interpreten haben den Andreas ganz selbstverstĂ€ndlich als Bildungsroman eingestuft. Die Weichen gestellt fĂŒr diese typologische Festlegung hatte Richard Smekal schon 1930, als er in seiner Rezension des Vorabdrucks in der Corona das Werk als âEin österreichischer »Wilhelm Meister«â bezeichnete,cite-ref-59[59] also auf jenes Werk Goethes referierte, das gemeinhin als Prototyp des Bildungsromans gilt: Wilhelm Meisters Lehrjahre. Ganz aus der Luft gegriffen war das nicht, denn Hofmannsthal selber hat sich Goethes Roman zum Vorbild genommen, wie aus einer Notiz hervorgeht.cite-ref-60[60] Und zu seinen Freunden muss er von seinem Vorhaben in einer Weise gesprochen haben, dass diese den Eindruck erhielten, es sei da etwas am Entstehen, das man ânur mit Wilhelm Meister vergleichenâ könne.cite-ref-61[61] Zu erinnern ist auch an die frĂŒhen PlĂ€ne Hofmannsthals, die er noch unter dem Titel âReisetagebuchâ subsumierte.cite-ref-62[62] Das Reisen mit seinen Möglichkeiten, neue Erfahrungen und Begegnungen hervorzubringen, ist seit je ein unverzichtbares Element des Bildungsromans, um dem Entwicklungsgang des Protagonisten die entscheidenden Impulse zu vermitteln. Das Wort vom âösterreichischen »Wilhelm Meister«â hat dann Wassermann in seinem Nachwort zur ersten Buchausgabe dem Werk gleichsam mit auf den Weg gegeben.cite-ref-63[63] Beim Begriff âBildungsromanâ, oder allenfalls auch âEntwicklungsromanâ bleiben spĂ€ter Fritz Martini (1954)cite-ref-64[64], Richard Alewyn (1955)cite-ref-65[65], Karl Gautschi (1965)cite-ref-66[66] und David H. Miles (1972)cite-ref-67[67] in ihren grundlegenden Studien zum Andreas. FĂŒr W. G. Sebald (1985) hingegen ist der Bildungsroman nicht mehr das selbstverstĂ€ndliche Paradigma zum VerstĂ€ndnis des Werks. Nach ihm hat Hofmannsthal den Andreas angelegt âals eine Exploration jener zentrifugalen KrĂ€fte seines und unseres Lebens, die â fremd und widerspenstig â nicht auf eine schöne Bildung, sondern auf Deformation und Zerstörung hinauslaufen.â Und weiter: âDie dem Andreas-Fragment einbeschriebenen extremen erotischen Tendenzen unterbinden die Kreierung von IdentitĂ€t, haben die Verwirrung und Dissolution der ErzĂ€hlfigur zum Gegenstand und widersetzen sich so dem integrativen Muster des Bildungsromans.âcite-ref-68[68]
Auflösungstendenzen erkennt auch Mathias Mayer (1994) und fĂŒhrt in dem Zusammenhang den Begriff des âRomans der Disintegrationâ ein. Als einen solchen bezeichnet er den Andreas, da in ihm âdie Differenzen nicht in einer vermittelten IdentitĂ€t aufgehen, sondern in ihrer Unaufgelöstheit sichtbar bleiben.âcite-ref-69[69] Mayer identifiziert drei Romane, die auf die Genese des Andreas in diesem Sinne Einfluss hatten: Einmal den Anton Reiser von Karl Philipp Moritz, bei dem es âbesonders das gestörte VerhĂ€ltnis zum eigenen Ichâ ist, âdas ihn zu einem VorlĂ€ufer des Andreas macht.âcite-ref-70[70] Dann den Maler Nolten von Eduard Mörike wegen der âGespaltenheit des Ichâ.cite-ref-71[71] SchlieĂlich den GrĂŒnen Heinrich von Gottfried Keller, dem er eine âkatalysatorische Funktion fĂŒr Hofmannsthals Andreasâ zuschreibt, weil darin âdas MiĂverhĂ€ltnis von Phantasie und Wirklichkeit [âŠ] als Spaltung von PersönlichkeitshĂ€lften auf zwei Frauenfiguren projiziert [wird], die eine Vereinigung nicht mehr möglich werden lĂ€Ăt.âcite-ref-72[72] Somit wĂ€re also die Figur der Maria/Mariquita Hofmannsthals Wiederaufnahme von Kellers Frauenfiguren Anna und Judith.
Achim Aurnhammer (1995) wiederum erkennt die âentscheidenden Vorbilderâ fĂŒr den Andreas-Roman, âjedenfalls fĂŒr den Hauptentwurfâ in Schillers Geisterseher und Goethes Ur-Meister.cite-ref-73[73] Der Einfluss von Schillers Der Geisterseher auf den Andreas reicht bis in Details der Handlung. Nicht nur Ort und Zeit der Handlung â das Venedig des ausgehenden 18. Jahrhunderts â stimmen ĂŒberein, in beiden Romanen löst die Begegnung des Protagonisten mit einer geheimnisvollen Frau in einer Kirche eine groĂe Betroffenheit aus und wird zum Ausgangspunkt einer intensiven Suche. Und Goethes Wilhelm Meisters theatralische Sendung, auch als Ur-Meister bezeichnet, ein Werk, an dem Goethe zwischen 1777 und 1785 gearbeitet hatte, galt lange als verschollen und fand, als es 1911 zum ersten Mal gedruckt wurde, sofort eine begeisterte Aufnahme, auch bei Hofmannsthal. âDie frĂŒhen Theatererlebnisse des Andreas, ja der ganze Stoffkomplex, der mit BĂŒhne und Theater zusammenhĂ€ngt, gehen wohl direkt auf die »Theatralische Sendung« zurĂŒck.âcite-ref-74[74] Beide Romane sind Fragment geblieben, was fĂŒr Hofmannsthals Projekt bedeutsam ist: âDaĂ Hofmannsthal sich fragmentarische Bildungsromane zum Vorbild nimmt, kennzeichnet sein reflektiertes VerhĂ€ltnis zur Tradition: einerseits schlieĂt er an eine bedeutende gattungspoetische Ăberlieferung an, andererseits entbĂŒrdet er sich von der Last der Tradition, indem er auf offene Formen zurĂŒckgreift.âcite-ref-75[75]
Jacques Le Rider (1995) wiederum sieht noch einen anderen Typus von Roman im Hintergrund aufscheinen, den Initiationsroman: âIm Roman hat der Malteser offensichtlich die Rolle eines rosenkreuzerischen Meisters inne, der die Initiation Andreasâ betreibt. Andreas muĂ sich aus eigenen KrĂ€ften lĂ€utern, indem er Maria dem EinfluĂ ihrer schlechten DoppelgĂ€ngerin Mariquita entreiĂt. Diese wechselseitige Metamorphose folgt der traditionellen Formel der Herstellung des Steins der Weisen: Solve et coagula, mit den Etappen der purificatio, der separatio und der conjunctio, die schlieĂlich zur materia prima fĂŒhren. Auf den Bereich der Moral ĂŒbertragen, entspricht dies der mystischen Abfolge der via purgativa, der via illuminativa und der via unitiva. Von 1912 an findet man dieses Schema in Keimform in den Fragmenten zur Fortsetzung des Andreas-Projekts. WĂ€re es erzĂ€hlerisch umgesetzt worden, hĂ€tte es das ursprĂŒngliche Projekt eines Bildungsromans spĂŒrbar verĂ€ndert, um es womöglich durch die Form eines Initiationsromans zu ersetzten [sic!]. Das Quartett Maria-Mariquita â Andreas-Sacramozo hĂ€tte sich dann nach dem Modell der Wahlverwandtschaften und unter der FĂŒhrung des Maltesers â des alchemistisch-mystagogischen Erziehers â weiterentwickelt.âcite-ref-76[76]
Weitere, oft erwĂ€hnte EinflĂŒsse kommen von Georg BĂŒchners Lenz: âZustĂ€nde, die an den wahnbefangenen Lenz von Georg BĂŒchner gemahnen, ergreifen den seines Selbst Ungewissen: âalles wie zerstĂŒckt: das Dunkel und Licht, die Gesichter und die HĂ€nde ⊠ihm war wie einem TrĂ€umenden, der aus dem Traum spricht... Er wuĂte nicht, auf was er wartete. Und wuĂte es doch ...ââcite-ref-77[77] Der Einfluss von BĂŒchners Lenz wird meist in der in der KĂ€rntner Bergwelt spielenden Episode festgestellt.cite-ref-78[78] Ebenfalls an Lenz, aber auch an den Anton Reiser angelehnt ist Hofmannsthals oft gebrauchte Wendung âihm war (als)â zur Darstellung psychischen Erlebens bei Andreas.cite-ref-79[79]
Auf eine geradezu exotische literarische Quelle fĂŒr die Figur der Maria/Mariquita hat GĂŒnter Schnitzler aufmerksam gemacht: Charles Sealsfields in Mexiko spielender Abenteuerroman SĂŒden und Norden, in dem eine junge, auĂerordentlich schöne Frau eine wichtige Rolle spielt. âBereits beim ersten Auftreten der Mariquita in Sealsfields Roman deutet sich jene innere Zerrissenheit an, die spĂ€ter zur vollstĂ€ndigen Dissoziation der Gestalt fĂŒhren wird: Sie erscheint von Anfang an als naturhaftes unschuldiges Wesen, das gleichzeitig geradezu âșteuflischâč erotische KrĂ€fte in sich birgt [âŠ] In ihr kĂ€mpfen die beiden gegensĂ€tzlichen Ichmöglichkeiten, die HetĂ€re gegen die Heilige [âŠ].âcite-ref-80[80] Und: âFortwĂ€hrend wechselt der Name des MĂ€dchens zwischen Maria und Mariquita, wodurch Sealsfield andeutet, welche Seite in jenem Kampfe im Ich der Gestalt gerade die Oberhand gewonnen hat.âcite-ref-81[81] Die Bedeutung der psychologischen Studie von Morton Prince,cite-ref-82[82] auf die Richard Alewyncite-ref-83[83] hingewiesen hat, wird dadurch nicht geschmĂ€lert, was auch Schnitzler anerkennt.cite-ref-84[84] Hofmannsthal ist im Februar 1907 von Marie von Thurn und Taxis auf die Studie aufmerksam gemacht worden und hat das Buch sofort gelesen und âdavon ganz unberechenbare Anregungen gehabtâ, wie er ihr am 11. April 1907 schreibt.cite-ref-85[85]
Und damit liegt neben exotischen literarischen auch noch eine wissenschaftliche Quelle fĂŒr diese so eigenartige Doppelgestalt Maria/Mariquita vor. Denn in seiner Studie behandelt der Psychologe Prince die Krankengeschichte einer âMiss Beauchampâ, die bei ihm in Behandlung war, und die sich im Laufe der Zeit in mehrere Persönlichkeiten aufspaltete, die sich in Charakter und Gewohnheiten deutlich unterschieden. Prince bezeichnete sie als B I, B II und so weiter. âJede dieser Persönlichkeiten fĂŒhrte auch auĂerhalb des Sprechzimmers nach Möglichkeit ihr selbstĂ€ndiges Leben, beschrĂ€nkt lediglich durch den Umstand, daĂ sie den materiellen Rahmen ihres Daseins und vor allem ihren Körper mit dessen Mitbewohnerinnen zu teilen hatte [âŠ]. Wie und wann diese Personen einander ablösten, war durchaus unberechenbar.âcite-ref-86[86] Hofmannsthals Exemplar dieser Studie, das erhalten ist, weist zahlreiche Notizen am Rand und auf dem Vorsatzblatt auf. Diese Notizen sind durch die LektĂŒre angeregt und beziehen sich inhaltlich direkt auf den Andreas.cite-ref-87[87] Es ist offensichtlich, dass Hofmannsthal fĂŒr die Figur der Maria/Mariquita auf die Eigenschaften von B I und B III abgestellt hat.
Lange Zeit ist die gattungsmĂ€Ăige Identifikation des Andreas-Komplexes als Roman-Fragment nie in Frage gestellt worden. DemgegenĂŒber weist Inka MĂŒlder-Bach (2018)cite-ref-88[88] auf die Offenheit und Unbestimmtheit des Werkes in dieser Hinsicht hin: Einerseits fehlen in Hofmannsthals frĂŒhen Aufzeichnungen eindeutige Festlegungen als Roman. Andererseits scheinen die beiden Handlungsorte des Hauptentwurfs zwei unterschiedliche Gattungen zu ihrer Gestaltung nahezulegen. Der KĂ€rntner Teil mit seiner Reise- und Ritterthematik und mit einer Figur, die den bedeutsamen Namen Romana trĂ€gt, zeigt viel mehr eine epische Signatur, wĂ€hrend der venezianische mit seinem Maskentreiben, seinen Verwechslungen und nicht zuletzt mit der physischen und personellen NĂ€he zum Theater viel eher nach einer komödiantischen Charakteristik tendiert.cite-ref-89[89]cite-ref-90[90] Alexander Honold (2024) spricht im Hinblick auf diese AmbiguitĂ€t von âeiner amphibischen Zwischenlageâ âzwischen szenischen und narrativen AggregatzustĂ€nden.âcite-ref-91[91]
Ich-Konstitution und Figurenkonstellation
Andreas wird als ein im tiefsten unsicherer und sich seiner selbst nicht gewisser Mensch gezeichnet. Das zeigt sich schon im ersten GesprĂ€ch nach seiner Ankunft in Venedig. Er weiĂ nicht, wohin er sich wenden kann und spricht deshalb einen zufĂ€llig des Weges kommenden Herrn an. Doch kaum hat er etwas gesagt, möchte er es wieder zurĂŒcknehmen: âer sagte schnell daĂ er ein Fremder sei, eben angekommen aus Wien von Villach in KĂ€rnten und ĂŒber Görz; sogleich erschien es ihm weitschweifig u. ungeschickt daĂ er die Stationen genannt hatte, er wurde verlegen und verwirrte sich im italienisch Reden [âŠ] Andres sah daĂ der höfliche Herr unter dem Mantel im bloĂen Hemde war, darunter nur herabhĂ€ngende KniestrĂŒmpfe die die halben Waden bloĂ lieĂen und Schuhe ohne Schnallen. Schnell bat er den Herrn doch ja bei der kalten Morgenluft sich nicht aufzuhalten und seinen Weg nachhause fortzusetzen, er werde schon jemanden finden, der ihn nach einem logierhaus weise oder zu einem Wohnungsvermieter. [âŠ] Andres war verlegen im Gedanken daĂ der andere nun wisse, er habe sein sonderbares negligĂ© gesehen durch die alberne Bemerkung von der kalten Morgenluft und vor Verlegenheit wurde ihm ganz heiĂâ. (SW XXX, S. 40f)
Die Verunsicherung des Protagonisten bleibt aber nicht auf solche relativ Ă€uĂerliche und episodische Begebenheiten begrenzt, sondern greift auf tiefere, ja existenzielle Schichten ĂŒber. Am Morgen nach dem sadistischen Mordversuch und der anschlieĂenden Flucht seines Dieners Gotthelff empfindet Andreas die âSchmach, wie er jetzt dastĂŒnd vor den Bauersleuten, denen er dies scheuĂliche GrĂ€ul ins Haus gebracht hatte. Das Sprichwort wie der Herr so der Knecht fiel ihm ein und blitzschnell die Umkehrungâ. (SW XXX, S. 67) Am Abend dann hat Andreas einen Traum, in dem er eine verstörende Begegnung mit Romana erlebt: âEr war dicht bei ihr und fĂŒhlte sie hielt ihn fĂŒr den bösen Gotthelf â und doch wieder nicht fĂŒr den Gotthelf. Ganz sicher war auch ihm nicht wer er warâ. (SW XXX, S. 73) In beiden FĂ€llen findet eine mindestens partielle Identifizierung mit der das Böse reprĂ€sentierenden Figur statt. Andreas grenzt sich nicht mehr zuverlĂ€ssig von Gotthelff ab. âIm Rahmen seines Bewusstseins kann er sich deutlich von Gotthelff unterscheiden. In Traum und Trance jedoch, also in ZustĂ€nden, in denen das Unbewusste zum Ausdruck kommt, ist Andreas offen fĂŒr die perversen Impulse seines GegenĂŒbers, ja in diesen ZustĂ€nden figuriert Gotthelff als sein Unbewusstes.âcite-ref-92[92]
Als Ursache fĂŒr Andreasâ Persönlichkeitsspaltung spielen zwei sexuell konnotierte, traumatische Erlebnisse in der Kindheit eine Rolle. In einem Traum erlebt er diese verstörenden Erfahrungen nach: âEin Blick den er als Knabe gefĂŒrchtet hatte wie keinen zweiten, der Blick seines ersten Katecheten, schoĂ durch ihn hindurch und die gefĂŒrchtete kleine feiste Hand faĂte ihn an, das widerwĂ€rtige Gesicht eines Knaben der ihm in dĂ€mmernder Abendstunde auf der Hintertreppe erzĂ€hlt hatte was er nicht hören wollte preĂte sich gegen seine Wange.â (SW XXX, S. 64) Hofmannsthal bewegt sich mit solchen Darstellungen und Analysen durchaus auf dem Boden der zeitgenössischen Psychologie von Freud und Breuer.cite-ref-93[93]
Dabei ist ja Andreas nicht die einzige Gestalt des Romans, die ZĂŒge der Gespaltenheit zeigt. Am offensichtlichsten ist diese Erscheinung bei Maria/Mariquita. (Auch hier ĂŒbrigens offenbar aufgrund eines sexuellen Traumas, wie die Andeutungen in den Notizen vermuten lassen.cite-ref-94[94]) Aber auch Sacramozo weist ZĂŒge der Gespaltenheit auf,cite-ref-95[95] und selbst Romana, eine Gestalt, die auf den ersten Blick völlig in sich zu ruhen scheint, ist nicht simple Ganzheit.cite-ref-96[96] âJa, es scheint, als ob alle Figuren in die [âŠ] pathologischen Prozesse einbezogen wĂŒrden und damit ein riesiges dynamisches Netzwerk von miteinander ĂŒber das Unbewusste verbundenen, in dieser Verbindung aber gespalten agierenden Persönlichkeiten darstellten.âcite-ref-97[97] DemgemÀà bezieht sich der Ausdruck âDie Vereinigtenâ, wie sich Hofmannsthal notiert, nicht nur auf ein Liebespaar, das sich finden soll, sondern auch auf jede einzelne Person: âDie Vereinigten â auch auf die Subiecte selbst bezogen: Andreas â Maria â der Malteser fĂŒr jeden geht es um das Eins-werden mit sich selber.â (SW XXX, S. 119)
Die Tatsache, dass sich die Gespaltenheit auf so viele, und von den relevanten Personen eigentlich auf alle bezieht, muss in ihrer strukturellen Relevanz gewĂŒrdigt werden: âDas Thema der Doppelung und Spaltung der Persönlichkeit ist in Andreas weit mehr als nur eine Episode. Da die Verdoppelung alle Figuren des Romans betrifft, kann man hierin die Struktur des Textes selbst erkennen.âcite-ref-98[98]
Die Spaltung und Verdoppelung der Figuren steht in Verbindung mit einem andern wichtigen Strukturelement des Romans: der Konfiguration. âAnalog zu den Figuren auf dem Schachbrett sind âșIchâč und âșSelbstâč höchst prekĂ€re und vor allem relative, nĂ€mlich vielseitig abhĂ€ngige GröĂen, deren âșWertâč sich ausschlieĂlich nach dem âșWertâč ihrer Nebenfiguren bemiĂt. Keine Figur ist isoliert, keine ungeteilt bei sich selbst: Aus diesem Grunde steht Hofmannsthals Kunst der Konfiguration mit dem [âŠ] Themenkomplex der Subjekt- oder Ich-Spaltung in einem direkten Zusammenhang.âcite-ref-99[99] Dabei muss man nicht bloĂ an die Zweiergruppen Andreas/Gotthelff und Maria/Mariquita denken. Vielmehr lassen sich drei Quartette identifizieren, die jeweils ein ausgeglichenes GeschlechterverhĂ€ltnis beinhalten, wobei immer Andreas den einen Pol ausmacht. Das erste in KĂ€rnten mit Andreas, Gotthelff, Romana und der Magd; das zweite in Venedig im Umkreis der Familie Prampero mit Andreas, Zorzi, Zustina und Nina; und das dritte, ebenfalls in Venedig, im Umkreis des Maltesers mit Andreas, Sacramozo, Maria und Mariquita.cite-ref-100[100]
Besonders das letzte Quartett hĂ€tte fĂŒr die Auflösung des Plots womöglich eine zentrale Funktion gehabt, wie Notizen Hofmannsthals zeigen. Demnach wĂŒrde der Malteser in einem rituellen Rahmen eine Vereinigung von Maria mit Andreas herbeifĂŒhren, die sowohl die Spaltung Maria/Mariquitas wie auch die Andreasâ heilen wĂŒrde. FĂŒr den Malteser wĂ€re das der Verzicht auf seine Beziehung zu Maria, die er allenfalls im Jenseits wieder zu sehen glaubt; und Andreas wĂŒrde gewissermaĂen als sein Stellvertreter handeln:
Das Fest. eine feierlich symbolische Veranstaltung. Andreasâ Einweihung. Es bleibt geheim in welcher Gestalt Sacramozo selbst an dem Feste teilgenommen habe. [âŠ] Mittelpunkt des Festes eine Art Begegnung von MI u. MII oder Transmutation von MI die im magnetischen Schlaf herbeigebracht wird: es geht schlimm aus. (SW XXX, S. 146) und: Der Malteser gross in seinem allseitigen Unterliegen â ein Wesen das um sein Schicksal ringt: er findet in Andres Vereinigung mit der verwandelten Maria alles in einem: Glaube, Liebe, ErfĂŒllung. es bleibt ungewiss ob er sich selbst tödtet oder verreist (SW XXX, S. 149)
Richard Alewyn sieht darin die Möglichkeitcite-ref-101[101] fĂŒr einen erfolgreichen Ausgang des Romans im Sinne dessen, was sich Hofmannsthal vorgenommen hatte und an dem er offenbar bis zuletzt festgehalten hat, wie das am 12. November 1927 notierte âGrundmotivâ zeigt: âDie eigentliche anzustrebende Vereinigung ist die von Andreas u. Romana.â (SW XXX, S. 217). Bei Richard Alewyn liest sich das so: âMit der gegenseitigen Verwandlung haben Andreas und Maria ihre Aufgabe aneinander erfĂŒllt und damit trennen sich ihre Wege. Die âganzeâ Maria ist nun frei fĂŒr die Vereinigung mit Gott [âŠ], der âganzeâ Andreas ist reif fĂŒr die Vereinigung mit Romana. Seine Lehrjahre sind beendet.âcite-ref-102[102]
SpĂ€tere Interpreten dagegen gehen mehrheitlich von der prinzipiellen Unlösbarkeit des Problems aus. So etwa Maximilian Bergengruen (2010): âDie Handlungen der unbewussten Persönlichkeitsteile (in und auĂerhalb der jeweiligen Figuren), so soll gezeigt werden, sind durch Sadismus, Masochismus und Fetischismus motiviert. Eine medizinische oder metaphysische Heilung des/der Menschen von dieser spezifischen Form der Dissoziation, womöglich ein ZurĂŒck zu einem »real self« jenseits aller Spaltungen, wie es der von Hofmannsthal rezipierte Psychiater Morton Prince anstrebt, bieten die Fragmente nicht an. Vielmehr bringen sie emphatisch die (in die Gegenrichtung zielende) Vorstellung zum Ausdruck, dass der Mensch, wenn er sich all diesen Spaltungen rĂŒckhaltlos in einer âșEnt-Aneignungâč (Derrida) anheimgibt, so etwas wie ein multiples oder universales Selbst erhalten kann.âcite-ref-103[103]
Damit setzt sich die in der Ausgangslage des Romans angelegte Spaltung der Persönlichkeit durch, entsprechend dem berĂŒhmten Zitat von Ernst Mach: âDas Ich ist unrettbar.âcite-ref-104[104]
Ort und Zeit der Handlung
Unter der KapitelĂŒberschrift âI. Die Ankunft.â lautet der Anfang des Hauptentwurfs:cite-ref-105[105]
â»Das geht gut«, dachte der junge Herr Andres von Ferschengelder, als der BarkenfĂŒhrer ihm am 7ten Sept. 1778 seinen Koffer auf die Steintreppe gestellt hatte und wieder abstieĂ, »das wird gut, lĂ€Ăt mich da stehen mir nichts dir nichts, einen Wagen gibts nicht in Venedig, das weiĂ ich, ein TrĂ€ger, wie kĂ€me da einer her, es ist ein öder Winkel, wo sich die FĂŒchse einander gute Nacht sagen. Als lieĂe man einen um 6h frĂŒh auf der RossauerlĂ€nde oder unter den WeiĂgĂ€rbern aus der Fahrpost aussteigen, der sich in Wien nicht auskennt. [âŠ]«â
Der Text beginnt mit genauen Angaben von Ort und Zeit, beste Voraussetzungen also, könnte man meinen, um die Handlung auf gesicherter Basis beginnen zu lassen. Und doch ist der Protagonist schon mit den ersten Worten völlig verloren: Der Ort ist ein Unort, die Zeit eine Unzeit und die Sprache ist ein uneigentliches Sprechen, denn dass es eben gerade nicht gut geht, ist die Erkenntnis, die dem jungen Herrn dĂ€mmert, als er sich ĂŒber seine Lage Rechenschaft zu geben versucht. Ausgesetzt auf einer Steintreppe, findet sich Andreas wie ein âzum zweiten Male auf die Welt Gekommenerâ,cite-ref-106[106] angespĂŒlt vom Wasser und auf unsicherem Grund gestrandet.
Denn nicht nur ist Andreas an einem verlassenen Platz angekommen (âwo sich die FĂŒchse einander gute Nacht sagenâ), sondern vor allem ist er in Venedig angekommen, der auf PfĂ€hlen ins Wasser gebauten Stadt, der Stadt, die nicht nur physisch auf unsicherem Boden steht, sondern auch wirtschaftlich und moralisch nach einem langen Niedergang etwa so abgebrannt war wie der unfreiwillige Abenteurer, dem in KĂ€rnten mehr als das halbe Reisegeld abhandengekommen war, und etwa so abgebrannt, wie der âbis aufs Hemdâ ausgezogene SpielsĂŒchtigecite-ref-107[107], der ihm in diesem âöden Winkelâ als erster begegnen wird.
Dass Venedig, die Stadt der Maskencite-ref-108[108], des Theaters (z. B. von Carlo Goldoni), der Abenteuer (man denke an Giacomo Casanova), die sich in einem labyrinthischen Gassengewirr verliert â dass diese Stadt sich als Handlungsort fĂŒr einen Roman wie den von Hofmannsthal geplanten in geradezu idealer Weise eignet, ist immer wieder festgestellt worden:
Richard Alewyn (1955): âNur in der Phosphoreszenz und Transparenz der AtmosphĂ€re Venedigs, wo jede Kontur zu verschwimmen und jeder Körper sich zu verflĂŒchtigen scheint, wo zwischen Sein und Schein, zwischen Wesen und Maske die Grenze aufgehoben, wo schon das NĂ€chste ungreifbar und noch das Abenteuerlichste wie alltĂ€glich erscheint, nur hier konnte die fragwĂŒrdige Zweideutigkeit eines solchen Doppelwesens [Maria/Mariquita] glaubhaft werden [...].âcite-ref-109[109]
Jacques Le Rider (1995): âDoch Venedig entpuppt sich bei Hofmannsthal wie in den Memoiren Casanovas oder in Thomas Manns Tod in Venedig als ein Ort des Selbstverlusts, als Labyrinth, in dem sich Andreas verirrt, so daĂ der Bildungsroman in Wirklichkeit vom Zusammenbruch einer fragilen, stets von psychopathologischen DissoziationsphĂ€nomenen bedrohten Persönlichkeit erzĂ€hlt.âcite-ref-110[110]
Joachim Seng (2003): âSchon auf der ersten Seite des Hauptentwurfs bringt Hofmannsthal die innere Zerrissenheit Andreasâ und die Unsicherheit der Situation auf wunderbare Weise zum Ausdruck. Andreas betritt den schwankenden Boden Venedigs, jener Stadt der Masken, in der es keinen festen Boden unter den FĂŒĂen gibt: [...]âcite-ref-111[111]
Weniger Einigkeit besteht hinsichtlich der WĂŒrdigung des KĂ€rntner Schauplatzes. Auf den ersten Blick scheint der Finazzerhof das direkte Gegenteil zum stĂ€dtischen Milieu der Lagunenstadt darzustellen: âIn Venedig sucht jeder etwas vorzustellen, was er nicht ist, in KĂ€rnten ist jeder, was er vorstellt. Der bĂ€uerliche Bereich des Finazzerhofes zeigt in seinem unverstellten Dasein menschlichen Adel; der Adel Venedigs verrĂ€t in seiner Fassadenhaftigkeit das Herabgekommene von Abenteurern und Spielern. In KĂ€rnten lebt man im BewuĂtsein der Herkunft auf unantastbarem Grund; die Wasserstadt Venedig beherbergt das Ausschweifende und Wurzellose.âcite-ref-112[112] Von gewissen Interpreten wurde der Finazzerhof geradezu als Heile Welt verstanden: âSo ist der Finazzerhof ein sakraler Raum, ein wahres Eiland des Guten.âcite-ref-113[113] Doch auf den zweiten Blick zeigen sich Risse in der schönen Fassade: Seit Generationen wird innerhalb der Verwandtschaft geheiratet; es herrschen inzestuöse VerhĂ€ltnisse, was erklĂ€ren mag, dass sechs von Romanas Geschwistern schon als kleine Kinder gestorben sind.cite-ref-114[114] Der Tod ist auf dem Finazzerhof omniprĂ€sent und es ist nicht ohne Bedeutung, wenn es heiĂt: âRomana ging zwischen den GrĂ€bern um wie zu Hauseâ. (SW XXX, S. 55) DemgemÀà schreibt Jacques Le Rider: âViele Interpretationen des Andreas stellen die verderbte Welt Venedigs dem tugendhaften Mikrokosmos von Castell Finazzer gegenĂŒber. Diese Opposition ist zweifellos erkĂŒnstelt. Auch das KĂ€rntner Paradies wird von einer geheimen inneren FĂ€ulnis angegriffen.âcite-ref-115[115] Schon David H. Miles hatte festgestellt, dass der Finazzerhof keineswegs die Verkörperung eines Paradieses auf Erden ist.cite-ref-116[116] Und damit ist Romana auch nicht einfach die Reine, Unschuldige, wie es Richard Alewyn sahcite-ref-117[117] und wie es Karl Gautschi so oft betont hatcite-ref-118[118], sondern ein Wesen, das seine eigene Ambivalenz in sich hat, wie es Waltraud Wiethölter festgehalten hat: âWas aber Romana betrifft, so sagt es der Traum [bei SW XXX, S. 72f] unmiĂverstĂ€ndlich: »So eine« sei sie: »Nein so eine«cite-ref-119[119], einmal ganz Hingabe und Verlockung, dann wieder kompromiĂlose Abwehr, die den TrĂ€umer in die Flucht schlĂ€gt. Das heiĂt mit anderen Worten, daĂ sie beides zugleich, daĂ sie â in den Modebegriffen der Zeitgenossen â Jungfrau und Dirne, Heilige und Hure ist und daĂ die Magd, das von Gotthelff so genannte »prĂ€chtige[] Mensch« (SW XXX, S. 60), bei aller Ă€uĂerlichen Differenz gleichwohl eine nicht zu unterschĂ€tzende Dimension ihres Wesens vertritt und als Abspaltung Romanas zu einer eigenstĂ€ndigen Figur entwickelt im bevorstehenden Spiel Ă quatre durchaus einen begrĂŒndeten, von langer Hand vorbereiteten Part ĂŒbernimmt.âcite-ref-120[120]
So bilden Venedig und KĂ€rnten zwei komplementĂ€re SchauplĂ€tze, die trotz ihrer vordergrĂŒndigen Differenz beide der inneren Zerrissenheit des Protagonisten entsprechen.
Wenn die Thematik des geplanten Romans, die Zerrissenheit des Ich, ein charakteristisches Problem fĂŒr die Zeit Hofmannsthals war,cite-ref-121[121] so stellt sich die Frage, warum die Handlung nicht in Hofmannsthals Gegenwart, also an der Wende vom 19. ins 20. Jahrhundert spielen sollte, sondern um mehr als 100 Jahre in die Vergangenheit zurĂŒck verlegt wurde. Eine Rolle dĂŒrfte dabei gespielt haben, dass die Thematik einerseits eine groĂe autobiographische NĂ€he zu Hofmannsthal aufwies (âDie Figur des Andreas ist ein kritisches SelbstportrĂ€t des Autors als junger Mann.âcite-ref-122[122]) und dass Hofmannsthal andererseits nicht zu viel, am liebsten gar nichts von sich selber preisgeben wollte, eine Haltung, fĂŒr die Hermann Broch den Ausdruck âIch-Verschweigungâ verwendet.cite-ref-123[123] Man kann verstehen, dass die historische RĂŒckverlegung des Geschehens dem Autor die willkommene Gelegenheit bot, eine Thematik, zu der eine enge persönliche Beziehung bestand, mit Diskretion und Distanz zu behandeln.cite-ref-124[124]
Das ausgehende 18. Jahrhundert hatte fĂŒr Hofmannsthal generell eine groĂe Bedeutung, und es ist nicht verwunderlich, dass er sich gerade diese Zeit fĂŒr die Handlung seines geplanten Romans ausgesucht hat. So schreibt Felix Salten: âSeptember 1778. Hofmannsthal hat hier ein Zeitalter gewĂ€hlt, das ihn stets verfĂŒhrerisch lockte, eine SphĂ€re, der sein Wesen von Jugend an mit entfachten Trieben entgegen eilte. Achtzehntes Jahrhundert. Venedig. Goldschimmernde Luft der unwirklichen Wirklichkeit, Schauplatz ohne Grenzen, den die Phantasie in allen Höhen und AbgrĂŒnden durchjagen darf.âcite-ref-125[125] Es ist also gerade diese Zeit des Giacomo Casanova und des Carlo Goldoni, in der sich die AtmosphĂ€re und das Ambiente Venedigs fĂŒr Hofmannsthals Vorhaben am besten zu eignen scheint. Kommt dazu, dass die Figur des Andreas mit dieser historischen Situierung ein Zeitgenosse des Personals aus Goethes Wilhelm Meister und Schillers Geisterseher wird, der beiden Werke, die entscheidenden Einfluss auf Hofmannsthals Konzeption hatten.cite-ref-126[126] Und eine weitere Koinzidenz ist zu erwĂ€hnen: 1778 ist das Jahr, âin dem sich die spĂ€ter von BĂŒchner geschilderte Episode im Leben von Lenz ereigneteâ, was bei den bekannten Anleihen, die Hofmannsthal bei Georg BĂŒchners Lenz machte, kaum zufĂ€llig sein dĂŒrfte.cite-ref-127[127]
Sind es in Venedig Goldoni und Casanova, in der deutschen Literatur Goethe und Schiller, die das kollektive Bewusstsein in der Zeit der Handlung bestimmen, so ist es in Wien die Kaiserin Maria Theresia, die der AtmosphĂ€re ihren Stempel aufdrĂŒckt, eine Figur, die fĂŒr Hofmannsthal â und nicht nur fĂŒr ihn â eine entscheidende GröĂe der österreichischen Geschichte war.cite-ref-128[128] Es ist auffĂ€llig, wie oft Hofmannsthal ihren Namen im Umfeld des Andreas-Romans erwĂ€hnt. Schon ganz zu Beginn des Hauptentwurfs, als sich Andreas dem ersten Menschen, den er in Venedig trifft, als von Wien kommend zu erkennen gibt, spricht ihn dieser als âUntertan der Kaiserin u. Königin Maria Theresiaâ (SW XXX, S. 41) an. Am 18. September 1917 teilt Hofmannsthal Rudolf Pannwitz mit: âDer Roman spielt, obwohl scheinbar rein privates Schicksal, im Todesjahrcite-ref-129[129] Maria Theresias.â (SW XXX, S. 310)cite-ref-130[130] Auch in den Notizen erscheint ihr Name mehrfach.cite-ref-131[131] Hofmannsthal schlieĂt damit an eine Symbolgestalt der âAustriazitĂ€tâcite-ref-132[132] an, die noch in seiner Gegenwart eine geheimnisvolle Strahlkraft hatte.cite-ref-133[133] Ganz offensichtlich wollte Hofmannsthal seinen Roman in einer Art goldenem Zeitalter der österreichischen Geschichte spielen lassen.
Die Bedeutung der Gestalt Maria Theresias zeigt sich paradoxerweise auch gerade in einer Notiz, die Hofmannsthal um oder nach 1925 verfasste, als er die Handlung in die Zeit Metternichs zu verlegen gedachte. Auch hier noch erscheint ihre Figur als ReprÀsentantin einer besseren Zeit, wenn sich Hofmannsthal notiert:
Das Dumpfe auch im VerhÀltnis zur Obrigkeit u. zum Staat.
(SehnsĂŒchtiges ZurĂŒckdenken an Maria Theresia.)
Die Unmöglichkeit vom einmal Gegebenen loszukommen
(Metternichâs System als Alpdruck)cite-ref-134[134]
Mystik und Magie, Rosenkreuzer und Alchemisten: Sacramozo und die Allomatik
Hofmannsthal verwendet in Ad me ipsum den Begriff des âAllomatischenâ, um wesentliche Inhalte seiner beiden Opern Ariadne auf Naxos und Die Frau ohne Schatten zu charakterisieren: âDie gegenseitige Verwandlung. [âŠ] Das allomatische Element.â liest man da. (SW XXXVII, S. 138)
Der gleiche Begriff findet sich auch in den Notizen zum Andreas. Manfred Pape hat das Werk identifiziert, dem Hofmannsthal diesen Begriff entnommen hat: Es ist âein kurioses Buch von Ferdinand Maack mit dem Titel Zweimal gestorben.âcite-ref-135[135] Dieses Buch enthĂ€lt unter anderem âGedanken ĂŒber den Fortbestand der aus der alchemistischen Ăberlieferung hervorgegangenen Rosenkreuzertraditionâ.cite-ref-136[136] In den Notizen zum Andreas finden sich zahlreiche weitere Zitate aus dem Maackschen Werk, die alle der Figur des Sacramozo zuzuordnen sind und ihn als Adepten einer rosenkreuzerisch-alchemistischen Geheimlehre charakterisieren. Alchemie ist in dem Zusammenhang nicht als Bestrebung zu verstehen, aus unedlen Materialien Edelmetalle zu gewinnen, sondern als Vervollkommnung des Menschen. âDas Ergon, sagt die Fama, ist die Heiligung des inneren Menschen, die Goldmachekunst ist das Parergonâ notiert sich Hofmannsthal (SW XXX, S. 102), wobei sich âFamaâ auf eine alte Publikation bezieht, nĂ€mlich auf die dem Johannes Valentinus Andreae zugeschriebene Rosenkreuzerschrift Fama fraternitatis oder Entdeckung der BrĂŒderschaft deĂ hochlöblichen Ordens deĂ Rosen Creuzes, erstmals gedruckt 1615 in Kassel.cite-ref-137[137]
âDas allomatische Rosenkreuzerprinzip entwickelt Maack [âŠ] aus der durch die Alchemie geprĂ€gten Anschauung vom gesetzmĂ€Ăigen Zusammenhang und der gegenseitigen AbhĂ€ngigkeit aller Dinge im Kosmos.âcite-ref-138[138] Dieser Zusammenhang erscheint in der hermetischen Literatur als âAurea Catena Homeriâ (goldenen Kette Homers) oder als âAnnulus Platonisâ (Ring des Plato). Beide AusdrĂŒcke hat Hofmannsthal in Sacramozo betreffenden Notizen festgehalten (SW XXX, S. 103 und 107). In Hofmannsthals Konzept der Figurenkonstellation, das die wichtigsten HandlungstrĂ€ger zueinander in ergĂ€nzende und bedingende Beziehung setzt, erscheint das âallomatische Rosenkreuzerprinzipâ als der passende metaphysische Ăberbau. Das âSolve et coagulaâ (SW XXX, S. 102)cite-ref-139[139] der Alchemie ist wie gemacht fĂŒr dissoziierte Persönlichkeiten, die vereinigt werden sollen. In diesem Konzept ist Sacramozo mit seinem Geheimwissen ausersehen, die Lösung fĂŒr alle vier involvierten Hauptgestalten (Andreas, Maria, Mariquita und ihn selber) herbeizufĂŒhren. In den Notizen versucht er dies mit dem erwĂ€hnten rituellen Fest, das aber âschlimmâ ausgeht (SW XXX, S. 147).
Waltraud Wiethölter hat den Versuch unternommen, die ZusammenhĂ€nge im Detail nachzuzeichnen.cite-ref-140[140] Sacramozo ist âinnerhalb des venezianischen Aktionskreisesâ die âSchlĂŒsselfigurâ fĂŒr diesen Teil der Handlung und hat âmit dem Ausgang des Geschehensâ und somit auch âmit dem Abbruch des Romanprojekts nicht eben wenig zu tun.â Von allen involvierten Gestalten ist er âfraglos die komplizierteste, die vielseitigste und die widersprĂŒchlichsteâ, einer, den man am besten als âAnhĂ€nger eines wiederbelebten magischen Idealismusâ charakterisieren könnte.cite-ref-141[141]
In dem Beziehungsgeflecht mit Andreas und Maria/Mariquita erscheint Sacramozo âin der Rolle des fĂŒrsorglichen Lebenspartners, der das Recht auf lntimitĂ€ten nicht in Anspruch nimmt und sich mit einem Adoptivsohn zufriedengibt. Maria ist die dem Himmel mehr als der Erde zugewandte und auf dem Wege der Enthaltsamkeit um eine neue Form der JungfrĂ€ulichkeit ringende Mutter und Andreas schlieĂlich der Sohn, auf dem die Hoffnungen des Vaters ruhen, weil er im Gegensatz zu Maria von diesem tatsĂ€chlich etwas will und erwartet.âcite-ref-142[142] Doch ist âauch der Malteserritter [âŠ] erlösungsbedĂŒrftig, ja sogar erlösungssĂŒchtig auf eine Weise, die seine geistig-distanzierte Haltung, die vornehme Diskretion seiner Auftritte nachgerade zu untergraben droht.âcite-ref-143[143] Sein VerhĂ€ltnis zu Maria, in dem âSacramozo zwar freiwillig, aber wohl doch in falscher Selbstverleugnung den dienenden Part ĂŒbernommen hatâ, gestaltet sich âkonflikttrĂ€chtigâ.cite-ref-144[144] In Hofmannsthals Notizen ist von einem ârasende[n] Zorn der Impotenzâ und als âDero Hochunvermögenâ die Rede. (SW XXX, S. 99) Bei allem Moralismus ist âSacramozo, der Philosoph und PĂ€dagogeâ aber âmit einem gewichtigen Teil seiner Persönlichkeit durchaus der Mann, die Rolle eines Gotthelff oder Zorzi auszufĂŒllen.âcite-ref-145[145] Wie (fast) alle Figuren in diesem Ensemble ist also auch er eine gespaltene Persönlichkeit mit positiven und negativen Seiten.
Dieser âAlchimist und Mystagogeâ, der âzwar selbst kein dogmatischer Rosenkreuzer, aber ein Sympathisant und Vertreter der einschlĂ€gigen Geheimlehrenâ ist, will nun also âmit Andreas und Maria das Werk der Wandlung vollbringenâ. âDurch die Vereinigung aller hofft er, seine eigene Zerrissenheit zu ĂŒberwinden und mit sich eins zu werden; eins geworden, glaubt er, zur Selbsterkenntnis und zur Erkenntnis des Lebens vorzudringenâ. Dass er gerade vierzig Jahre alt ist, âerscheint ihm Erfolgsgarantie genug, lĂ€Ăt sich doch diese Zahl im Sinne der hermetischen Symbolik optimal aufschlĂŒsseln.âcite-ref-146[146] Die Zahl verbindet âChristologisches und Alchimistischesâ: â[âŠ] Vierzig Tage hat Christus in der WĂŒste gefastet, und vierzig Tage braucht das âșWerkâč, bis es nach den Regeln der hohen Kunst vollendet ist.âcite-ref-147[147]
Dass das Vorhaben trotzdem âschlimmâ ausgeht, sieht Wiethölter vor allem darin begrĂŒndet, dass Sacramozo den âGenerationenvertragâ bricht, âmit dem das Romanprojekt ursprĂŒnglich angetreten ist und bis in die alchimistisch-naturphilosophischen Passagen hinein argumentiert hat. Statt das Leben in seinem allgemeinsten Sinne weiterzutragen, soll Andreas das besondere Leben des Malteserritters Sacramozo noch einmal und womöglich besser leben, soll durch Verdoppelung Wiedergutmachung leisten und sich im ĂŒbrigen endgĂŒltig â das ist die bittere Konsequenz â mit der Rolle eines Mediums und Repetitors zufriedengeben.âcite-ref-148[148]
Wiethölter sieht darin auch einen Grund fĂŒr das Scheitern des Romanprojekts: âDenn auĂer Frage steht, daĂ sich mit dem Malteser diejenige Figur, die das Geschehen hĂ€tte voranbringen und zu einem glĂŒcklichen AbschluĂ fĂŒhren sollen, ihrem Auftrag entzogen und aus der zugrundegelegten Konstruktion herausgedreht hat. Die zentrale Schaltstelle bleibt in der Folge vakant, und das Gesetz, unter dem Sacramozo an seine Aufgabe herangetreten ist, besitzt keine Verbindlichkeit mehr.âcite-ref-149[149] Die mystisch-magische Komponente hat darĂŒber hinaus auch formale Konsequenzen, insofern die Form des Bildungsromans im herkömmlichen Sinn ein realistisches Konzept voraussetzt, das durch den Einbezug alchemistischer Operationen transzendiert wĂŒrde. So hĂ€lt denn Wiethölter fest: âAuf der Strecke bleibt der Bildungsroman mit seinen analytischen QualitĂ€ten, dem Anspruch auf rationale Folgerichtigkeit und PlausibilitĂ€tâ.cite-ref-150[150]
Da sich die Analyse des ganzen esoterischen Komplexes bloĂ auf Notizen abstĂŒtzen kann, haftet der Interpretation immer etwas Unsicheres an. Die Konsequenz, mit der Wiethölter diese Analyse trotzdem verfolgt, ist deshalb nicht ohne Widerspruch geblieben. Kathrin Scheffer etwa verweist darauf, dass es zu âunhaltbaren RĂŒckschlĂŒssenâ fĂŒhrt, wenn man die Notizen dem âabgeschlossenen Textteilâ als gleichwertig ansieht.cite-ref-151[151]
Auch andere Interpreten haben dem alchemistisch-mystisch-magischen Komplex besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Auf die Folgen, die eine Anwendung des alchemistischen Schemas auf die Form des Werks gehabt hÀtte, hat Jacques Le Rider hingewiesen, wie bereits oben dargelegt wurde.cite-ref-152[152]
Maximilian Bergengruen zieht unter der Leitidee des ĂŒberindividuellen Unbewussten eine Linie von der Alchemie bei Paracelsus und den Rosenkreuzern ĂŒber die Mystik des Novalis und den Magnetismus von Franz Anton Mesmer bis zu der Psychologie von Jean-Martin Charcot und Pierre Janet, bei denen âdie Hypnose mit der Hysterie strukturell identischâcite-ref-153[153] ist, zu Morton Prince, wo die eine Teilpersönlichkeit die andere ebenso beeinflussen kann, wie Prince selber es in therapeutischer Absicht tut. Hier fĂ€llt dann zwar die Idee eines ĂŒberindividuellen Unbewussten weg, nicht aber die eines magnetischen Schlafes (SW XXX, 146) in der Form der Hypnose.cite-ref-154[154]
Symbolik und Psychologie
Das Textkorpus des Andreas weist eine groĂe Zahl an Symbolen auf. Es ist ein Charakteristikum des Hauptentwurfs, dass fast alles, was erwĂ€hnt wird, nicht nur eine wörtliche Bedeutung hat, sondern auf einer tieferen Ebene an weitere Bedeutungsschichten rĂŒhrt. Das beginnt z. B. schon in der Herberge in Villach, die den Namen âSchwertâ trĂ€gt, was als Phallussymbol gedeutet werden kann, gleichzeitig aber auch als Symbol des Gerichts.cite-ref-155[155] Die Symbolik der Handlungsorte â der KĂ€rntner Finazzerhof und die Stadt Venedig â wurde bereits beleuchtet. Eine ganze Gruppe von Symbolen bilden die Tiere, die im Andreas zitiert werden, sei es dass sie im Erleben, in der Erinnerung oder in TrĂ€umen des Protagonisten ihre Rolle spielen. Die Vielfalt der auftretenden Tiere ist erstaunlich: Pferd, Hund, Katze, Adler, GeiĂen, Schwalbe, Schlange, Papagei, Reh, Delphin und Eichhörnchen ziehen sich durch den Hauptentwurf â und in einer Notiz (SW XXX, S. 10) darf sogar das Einhorn noch seine Aufwartung machen, ein Tier, dessen symbolische Bedeutung die praktische bei weitem ĂŒbersteigt. Es hieĂe, die KomplexitĂ€t der Tiersymbolik unterschĂ€tzen, wollte man sich damit begnĂŒgen, jedes Tier einzeln in seinem symbolischen Gehalt verstehen zu wollen. Vielmehr stehen sie auch untereinander in Beziehung, so dass die Figurenkonstellation ergĂ€nzt und unterlegt wird mit einer symbolischen Konstellation von Tieren. Die Tiersymbolik wird zu einem Strukturelement des Textes.
Die Bedeutung der Tiersymbolik fĂŒr wesentliche Aspekte des Romangeschehens und fĂŒr die Struktur im ausgearbeiteten Teil ĂŒberhaupt ist verschiedentlich gesehen worden:
David H. Miles analysiert die Tiersymbolik im Zusammenhang mit dem, was er als mythische Substruktur des Romangeschehens identifiziert. Nach ihm hat das Mythische bei Hofmannsthal die Form einer geglaubten Fiktion, die wir mit der IntensitĂ€t eines erlebten Ereignisses erfahren, es setzt einen dynamischen Ausgleich von GegensĂ€tzen voraus und es unterliegt meist einem Hell/Dunkel-Kontrast.cite-ref-156[156] Vor diesem Hintergrund arbeitet er nun drei Tiersymbole oder Bilder heraus, die in der Finazzer-Episode ihre Bedeutung zeigen: Pferd, Vogel und Hund. Im Einzelnen stehen sie fĂŒr SexualitĂ€t, Schuld und erotisches Begehren (Pferd â der Bereich von Gotthelff), fĂŒr den Geist und die Welt des Lichts (Vogel â Romana) und schlieĂlich fĂŒr die Transzendierung der PolaritĂ€ten von Pferd und Vogel (Hund â verbunden sowohl mit Gotthelff als auch mit Romana).cite-ref-157[157]
Die Symbolik des Pferdes nimmt ihren verhĂ€ngnisvollen Lauf schon in Villach, wo ein âmunteres Pferdchenâ (SW XXX, S. 49), das ihm Gotthelff prĂ€sentiert, Andreasâ Eitelkeit weckt und ihn dazu verfĂŒhrt, auf das Ansinnen Gotthelffs einzugehen, ihn als Diener mitzunehmen. Auf dem anschlieĂenden Ritt erzĂ€hlt Gotthelff von seinen sexuellen Abenteuern, womit er Andreasâ erotische TagtrĂ€ume anstöĂt, bis zu dem Punkt, dass dieser ĂŒber seine Fantasien derart erschrickt, dass er sein Pferd unwillkĂŒrlich zĂŒgelt, was dazu fĂŒhrt, dass das Pferd Gotthelffs stolpert, verletzt wird und im Finazzerhof gepflegt werden muss (SW XXX, S. 52). Im Stall, beim Zubereiten des Tranks, mit dem das lahmende Pferd kuriert werden soll, hockt Gotthelff âmehr auf als nebenâ (SW XXX, 58) der Magd, die ihm hilft. Diese von Gotthelff in der kommenden Nacht misshandelte Magd schlieĂlich wird in eine âPferdedeckeâ (SW XXX, S. 66) gehĂŒllt, nachdem sie halbnackt von der brennenden Bettstatt befreit wurde, an die der Verbrecher sie gefesselt hatte. Die tiefere Bedeutung dieser ganzen mit dem Pferd und dem Stall verbundenen Symbolik ist fĂŒr Miles offensichtlich: Es ist das Hauptthema, dass Andreas nicht klar kommt mit der dunkeln Seite der Liebe, mit seinem eigenen unbewussten erotischen Begehren.cite-ref-158[158]
Das Symbol des Vogels tritt mehrfach auf in der Finazzer-Episode. Ein bedeutsamer Moment ist der stumme Abschied von Romana im Stall, wo er sie sucht. Er sieht zuerst niemanden, dann fĂ€llt ein Lichtstrahl schrĂ€g durch den Raum, durch den fliegt eine Schwalbe und dahinter erblickt er Romanas Mund, âoffen feucht und zuckend vor unterdrĂŒcktem Weinenâ. (SW XXX, S. 74) So realistisch diese Szene ist, so ist sie doch auch tief symbolisch. Der Augenblick wird mit derart schnellen, impressionistischen Strichen gezeichnet, dass es fast ist, wie wenn alles ein Traum wĂ€re. Die symbolische Verbindung von Licht und Dunkelheit, von Vogel und Stall gibt einen ersten Hinweis, dass Andreasâ Liebe fĂŒr Romana begonnen hat, ihre dunklere, unbewusste Seite zu akzeptieren und zu transzendieren.cite-ref-159[159] Noch bedeutungsvoller erscheint die Adlerszene, nach der Abreise vom Finazzerhof, als dieser den Blicken lĂ€ngst entschwunden ist. Andreas ist in trĂŒber Stimmung, er entfernt sich nur widerwillig von Romana: âSeine Augen sahen nach vorn aber mit einem leeren kurzen Blick, die Augen des Herzens schauten mit aller Macht nach rĂŒckwĂ€rts.â (SW XXX, 75) Als er den hoch oben im Sonnenlicht kreisenden Adler erblickt, wird ihm bewusst, dass der noch den Finazzerhof sieht. Da fĂ€llt die Beklemmung von ihm ab: âEr ahnte, daĂ ein Blick, von hoch genug, alle Getrennten vereinigt und daĂ die Einsamkeit nur eine TĂ€uschung ist. Er hatte Romana ĂŒberall â er konnte sie in sich nehmen, wo er wollte.â (SW XXX, 76)cite-ref-160[160]
Der Hund, das dritte Tier, dem sich David H. Miles Analyse widmet, ist gewissermaĂen die Synthese der beiden die Pole markierenden ersten Tiere, Pferd und Vogel. Der Wachhund auf dem Hof, der von Gotthelff mit einer im Pferdestall gebrauten BrĂŒhe vergiftet wird einerseits, und der das Wappen haltende Hund, den Andreas auf dem Grabstein des Urahnen des Finazzergeschlechts sieht, als er mit Romana auf dem Kirchhof ist andererseits, schlagen den Bogen, der die beiden gegensĂ€tzlichen Bereiche zusammenfasst. Der Hund ist die Verbindung zu einer âWelt, die hinter der Wirklichen war und nicht so leer und öd wie dieâ (SW XXX, 72), einer Welt, die Hofmannsthal gemÀà Miles mit dem Mythos identifiziert, und wo die GegensĂ€tze aufgehoben sind, das Helle im Dunkeln, Eros in Thanatos.cite-ref-161[161] Und es ist diese Welt, die Andreas in sich formen muss, ausgerichtet auf die Bilder von Hund, Vogel und Pferd.cite-ref-162[162]
FĂŒr Miles sind das aber Bilder in Andreasâ Unbewusstem. Die Bilder reprĂ€sentieren an der OberflĂ€che nichts anderes als sich selber. Dies entspricht auch Hofmannsthals Bestreben, das Tiefe an der OberflĂ€che zu verbergen (SW XXXVII, S. 36 â Buch der Freunde), wofĂŒr der Hund in der Venedig-Episode ein gutes Beispiel ist: Auch hier symbolisiert der Hund die mythischen Extreme, denn es sind die vergeistigte Maria und die sinnliche Mariquita â die die latente Spaltung in Andreasâ eigener Persönlichkeit spiegeln â, die den âkurzathmigenâ Spaniel ânamens FidĂšleâ (SW XXX, S. 19) gemeinsam besitzen.cite-ref-163[163]
Eine andere Bedeutung erhĂ€lt der Hund bei W. G. Sebald. Da ist er die âInkarnation eines uralten Schwermutssymbols fĂŒr die melancholische Seele des Mannesâcite-ref-164[164] â und damit ein Hinweis darauf, dass Andreas sehr wohl weiĂ, âdaĂ er die FĂ€higkeit zur Grausamkeit in sich trĂ€gt.âcite-ref-165[165] Das âausschlaggebende Moment fĂŒr die Genese einer Grausamkeit, die zerstört, was sie liebt, weil nur noch die drastischste Veranstaltung mit dem Körper des anderen Geschlechts die abgewĂŒrgte SexualitĂ€t zu bewegen vermagâ sieht Sebald in der âhomosexuellen Verletzung der kindlichen Personâ.cite-ref-166[166] Es sind Erinnerungen des Andreas, die er im Traum wieder reaktiviert: âEin Blick den er als Knabe gefĂŒrchtet hatte wie keinen zweiten, der Blick seines ersten Katecheten, schoĂ durch ihn hindurch und die gefĂŒrchtete kleine feiste Hand faĂte ihn an, das widerwĂ€rtige Gesicht eines Knaben der ihm in dĂ€mmernder Abendstunde auf der Hintertreppe erzĂ€hlt hatte was er nicht hören wollte preĂte sich gegen seine Wangeâ. (SW XXX, S. 64)
Die Melancholie bezieht sich aber auch auf den Malteser. Mit 40 Jahren ungefĂ€hr so alt wie Hofmannsthal zur Zeit der Niederschrift des Hauptentwurfs, bekennt er in einer der Notizen, âer habe nie eine Frau berĂŒhrt.â (SW XXX, S. 23) Dazu Sebald: âDer Verdacht regt sich, das vierzigjĂ€hrige Gespenst [i.e. der Malteser] könnte, wie eine der Notizen festhĂ€lt, »nicht gelebt haben« und mĂŒsse sich darum »in dem andern [Andreas] neu erwecken«. Der vampirische Zug in dieser Konstellation bringt aber nicht nur Hofmannsthals fast instinktiven Abscheu vor Stefan George zum Ausdruck, sondern auch sein eigenes VerhĂ€ltnis â der vierzigjĂ€hrige Malteser vertritt nicht zuletzt Hofmannsthals Stelle â zu dem JĂŒngling Andreas, der er selber einmal war.âcite-ref-167[167]
Sebalds Ansatz geht also von einer doppelten autobiographischen Identifikation aus. Er meint, dass âHofmannsthal den Andreas [âŠ] angelegt hat als eine Exploration jener zentrifugalen KrĂ€fte seines und unseres Lebens, die â fremd und widerspenstig â nicht auf eine schöne Bildung, sondern auf Deformation und Zerstörung hinauslaufen. Die dem Andreas-Fragment einbeschriebenen extremen erotischen Tendenzen unterbinden die Kreierung von IdentitĂ€t, haben die Verwirrung und Dissolution der ErzĂ€hlfigur zum Gegenstand und widersetzen sich so dem integrativen Muster des Bildungsromans. [âŠ] Nicht die erhabenen Zielsetzungen seines Bildungskonzepts haben [âŠ] den Roman zum Fragment verurteilt, sondern das, daĂ Hofmannsthal bei der Skizzierung einer erotischen Aventiure in tiefere Wasser geriet, als ihm selber geheuer sein mochte.âcite-ref-168[168]
Eine der umfassendsten Analysen der Symbolik im Andreas hat Waltraud Wiethölter geliefert.cite-ref-169[169] Ihr Ansatz, die Symbole als Bildzitate zu verstehen, erlaubt es ihr, sie mit einer Bedeutungstiefe aufzuladen, die weit ĂŒber den direkten narrativen Zusammenhang hinausgeht und ikonographische Zuschreibungen zu berĂŒcksichtigen, die sich ĂŒber Jahrhunderte in der Kulturgeschichte angereichert haben. Wiethölter stĂŒtzt sich bei diesem Ansatz auf Hofmannsthals Vertrautheit mit der Kunstgeschichte und seiner EmpfĂ€nglichkeit fĂŒr starke, ja existenzielle EindrĂŒcke, die Bilder auf ihn machen konnten, etwas, das zum Beispiel in den Briefen des ZurĂŒckgekehrten seinen Niederschlag fand.cite-ref-170[170] Bei drei Tieren, die in ihrer Analyse vornehmlich den weiblichen Figuren zugeordnet sindcite-ref-171[171], sieht Wiethölter besonders deutliche Querverbindungen: Katze, Hund und Papagei.
Hund und Katze, die Andreas als Kind gequĂ€lt hat â ob tatsĂ€chlich oder nur in der Vorstellung, ist ihm selber manchmal nicht so klar â und die sich in seinen Traumbildern wahlweise in einander oder in eine Schlange verwandeln, vermischen sich mit dem Hofhund, den Gotthelff vergiftet, um die Nacht mit der Magd ungestört verbringen zu können. (SW XXX, S. 64) FĂŒr Wiethölter eröffnet sich dabei ein ganzes Panoptikum von SĂŒndenfall, VerfĂŒhrung, Sinnlichkeit und Lastercite-ref-172[172], Inzestwunsch und Kastrationsangst: âAndreas ist Adam, den die Schlange durch Evas Hilfe verfĂŒhrt, und er ist Ădipus, den der Sieg ĂŒber die Sphinx in die Arme der Mutter treibt. Bei ihr ist er zu gleicher Zeit an der Quelle des Lebens und am Ursprungsort seiner AggressivitĂ€t, denn gebunden wie er ist, hat er keine Wahl, den Knoten zu durchhauen, als nach dem Vater auch die Mutter zu töten oder sich selbst aufzugeben â angesichts der symbiotischen Verschmelzung von Mutter und Sohn ohnehin bloĂ eine Scheinalternative, da im Muttermord die Selbstaufgabe zwangslĂ€ufig beschlossen lĂ€ge.âcite-ref-173[173] Markiert der Hund die Verbindung von Andreas mit Gotthelff, so die Katze aufgrund des Traumes, in dem Andreas Romana nacheilt und von einer Katze aufgehalten wird, die Verbindung mit ihr â und ihrer Schattenseite, der Magd, die sich in der Unheilsnacht mit Gotthelff einlĂ€sst. Der Papagei Ninas schlieĂlich, âder bis hin zu Courbets gröĂtem Salonerfolg, der 1866 in Paris ausgestellten Frau mit Papagei als Paradies- und SĂŒndenvogel, schlieĂlich als unzweideutiges erotisches Requisit [âŠ] auĂerdem aber aufgrund der ihm bereits im Mittelalter zugeschriebenen FĂ€higkeit, das âșAveâč aussprechen und damit die gefallene Eva gleichsam âșumdrehenâč zu können, als Madonnenemblem gegolten hatâ,cite-ref-174[174] stellt die Verbindung her zwischen Nina und Zustina einerseits, aber auch zwischen den Prampero-Töchtern und Maria/Mariquita. Dass der Papagei in die Trias mit Hund und Katze aufgenommen wurde, verdankt er der ikonographischen Linie, die Wiethölter zieht von Tizians Venus von Urbino, mit einem HĂŒndchen, ĂŒber Manets Olympia mit einer Katze bis zu Courbets erwĂ€hnter Frau mit Papagei.cite-ref-175[175] Damit konstituiert sich ein Beziehungsgeflecht auf der symbolischen Ebene: Es âergibt sich eine geschlossene Reihe, die sich in der Reihe der Frauenpaare widerspiegelt. Letztere sind so beweglich und leicht vertauschbar wie die Tiere, und doch ist jeder Doppelfigur eine Art Wappentier zugeordnet: Romana und ihrer Gesindeschwester die Katze, Maria/Mariquita das HĂŒndchen FidĂšle und Zustina/Nina jener grausam enthauptete Papagei, der stellvertretend fĂŒr die gesamte Fauna den Kopf dafĂŒr hinzuhalten hat, daĂ keines der Tiere seine typologische Funktion erfĂŒllt, mithin keine der Frauen als Maria und Neue Eva, und das bedeutet: als Inkarnation der Versöhnung aus dem dramatischen Geschehen hervorgehen wird. Die Tierzeichen werden ausnahmslos um ihre heilsgeschichtliche, ihre glĂŒckverheiĂende Dimension beschnitten und als SĂŒndenmale restauriert, wobei sie aufgrund des beschriebenen Tauschwerts im Rahmen ihrer ikonographischen Herkunft auf ein Zitatkartell verweisen, wie es in dieser Dichte und Direktheit auch in der Kunstgeschichte nicht allzu oft anzutreffen ist.âcite-ref-176[176]
Die im Text âunsichtbar prĂ€sente Bilderserieâ, nĂ€mlich âTizians Venus und ihre modernen Variantenâ, so nimmt Wiethölter an, bewirkt letztlich eine âzum Scheitern fĂŒhrende Irritationâ und die zu Schreckensbilder mutierten âșTiereâč verhindern âals Imagines der âșbösenâč Mutter eine positive Konfliktlösungâ.cite-ref-177[177] âDem Autor muĂ es in dieser Hinsicht ergangen sein wie dem jungen Ferschengelder [âŠ] Die durch Bildzitate ausgelösten Projektionen haben es Hofmannsthal unmöglich gemacht, seinen Helden und dessen zahlreiche DoppelgĂ€nger ĂŒber das Inzestdrama hinaus- und dem anfĂ€nglich gesteckten Ziel entgegenzufĂŒhren.âcite-ref-178[178]
Form und Stil
Die erste Notiz des Andreas-Komplexes, ĂŒberschrieben mit âDas Reisetagebuch des Herrn v. N.â, beginnt als Ich-ErzĂ€hlung: âIch erinnere mich an die Dinge ganz genauâŠ..â (SW XXX, 7). Diese Form entspricht der Eigenart eines Tagebuchs, wie es in diesem Stadium noch geplant war. Die spĂ€teren Notizen â so sie denn ĂŒberhaupt erzĂ€hlenden Charakter haben â und ganz besonders der Hauptentwurf sind in der dritten Person abgefasst.cite-ref-179[179] Dabei handelt es sich aber nicht um einen neutralen ErzĂ€hlerbericht, sondern einen, âder tatsĂ€chlich weitgehend die subjektive Perspektive des Andreas wiedergibtâ.cite-ref-180[180] Diese Subjektivierung ĂŒbertrĂ€gt die Unsicherheit und Verwirrung des Protagonisten auf das Leseerlebnis. Der Orientierung bei der LektĂŒre âdient einzig die subjektive Sicht des Andreas. Da diese sich nicht durch panoramatische Distanz und SouverĂ€nitĂ€t auszeichnet, sondern eingeschrĂ€nkt und unsicher ist, bleibt auch die Sicht des Lesers stark limitiert. Zu dessen Verunsicherung trĂ€gt wesentlich das stĂ€ndige und hĂ€ufig unauflösbare Wechselspiel zwischen RealitĂ€t und Projektion bei.âcite-ref-181[181] David H. Miles weist darauf hin, dass diese subjektivierte ErzĂ€hlsituation in der dritten Person Hofmannsthal einerseits erlaubte, autobiographisches Material auf Distanz zu halten, andererseits aber auch die Möglichkeit bot, eine breitere ErzĂ€hlperspektive einzunehmen und hin- und her zu wechseln zwischen dem eigenen Standpunkt und dem des Protagonisten, denn die ErzĂ€hlinstanz ist nicht immer gleich nah am Protagonisten dran.cite-ref-182[182]
David H. Miles hat auch auf eine Eigenschaft des Andreas hingewiesen, die er ârĂ€umliche Strukturâ (âspatial structureâ oder âspatial formâ) nennt.cite-ref-183[183] Gemeint ist damit eine Minimierung des sonst fĂŒr Bildungsromane typischen epischen Flusses zugunsten einer Gleichzeitigkeit aller Elemente, was schon Wassermann konstatiert hatte.cite-ref-184[184] Viele Seiten Text können verwendet werden, ohne dass eine lange Zeit vergeht. Der Stil des Romans gleicht sich dabei der Lyrik an.cite-ref-185[185]
Mit dem Begriff der âspatial formâ greift Miles auf eine PrĂ€gung von Joseph Frankcite-ref-186[186] zurĂŒck, der damit 1945 die Eigenheit der modernen Romanciers und Dichter (wie James Joyce, Virginia Woolf, Marcel Proust oder Ezra Pound) charakterisiert hatte, die in Abkehr vom Lessingschen Paradigma des zeitlichen Charakters der Literatur, zur Maxime des Horaz, ut pictura poiesis, zurĂŒckzukehren schienen.cite-ref-187[187] Die âspatial formâ darf dabei nicht so verstanden werden, dass die Zeit angehalten wird. Die Zeit flieĂt im Andreas weiter, aber sie wird verlangsamt und gleichsam akkumuliert.cite-ref-188[188] Miles identifiziert im Andreas drei verschiedene Techniken, um diese âspatial formâ zu erreichen: Erstens die Wahl des fruchtbaren Augenblicks, der dann wie ein Genrebild geschildert wird, zweitens â und damit eng verwandt â das PortrĂ€tieren. Und drittens der Verzicht auf temporale Junktoren wie ânachâ, ânachherâ, die typisch episch sind, stattdessen das Verwenden von Konjunktionen, die Gleichzeitigkeit ausdrĂŒcken (âwĂ€hrendâ, âalsâ, âindessenâ) oder Adverbien der rĂ€umlichen Unmittelbarkeit (âjetztâ, âhierâ, âdaâ).cite-ref-189[189] Die âVerrĂ€umlichungâ mit Hilfe der geschilderten Techniken erzeugt wie erwĂ€hnt einen Effekt der Akkumulation von Zeit, einen Effekt, der nach Miles von enormer Wichtigkeit ist fĂŒr Hofmannsthals Konzept der Bildung, die stark auf der Neubewertung vergangener Erfahrungen beruht.cite-ref-190[190]
Mit der âspatial formâ ergibt sich ein lyrischer Sprachstil, den, wie erwĂ€hnt, David H. Miles im Andreas feststellt (âmuch as in lyric poetryâ).cite-ref-191[191] Ăhnlich haben andere, meist Ă€ltere Interpreten geurteilt. So etwa Felix Salten: âWenn jemals etwas Poesie genannt werden darf, dann ist es dieses Kapitel.âcite-ref-192[192] Oder Walther Brecht: âWelche FĂŒlle des Poetischen, welche IntensitĂ€t wechselnder Stimmung aber [âŠ] dann im zweiten Kapitel, in Venedig!âcite-ref-193[193]
Zu einer gegenteiligen Analyse kommt Angelika Corbineau-Hoffmann: âVenedig ist zwar die BĂŒhne des Geschehens, eine Poesie des Ortes aber enthĂ€lt es nicht. Auch die Sprache hat sich von der MusikalitĂ€t der Lyrik Hofmannsthals, von der Symbolkraft der frĂŒhen lyrischen Dramen entfernt â zumindest in dem Teil des Romans, der in Venedig spielt. [...]. Aber nicht die Musik allein macht, so wenig wie die BĂŒhne, das âlyrische Dramaâ aus: es fehlt die poetische Sprache.âcite-ref-194[194] Auch Mathias Mayers Urteil fĂ€llt deutlich nĂŒchterner aus als das der Ă€lteren Interpreten: âAls eine Poetik des âșHinstellensâč lieĂe sich ĂŒber weite Strecken der Sprachduktus des Andreas-Romans beschreiben, der in seiner Verknappung und NĂŒchternheit BĂŒchners Lenz-Novelle fortschreibt [âŠ].âcite-ref-195[195]
Trotzdem wird bis heute eine ausgesprochene âFaszinationskraftâ des Andreas-Romans festgestellt, die unter anderem âden stilistischen und motivĂ€sthetischen Eigenheiten, die Hofmannsthals ErzĂ€hlweise bereits in den Anfangskapiteln aufweistâ, zu verdanken ist. âIhre ungewöhnlich prĂ€zise Schilderung von visuellen, atmosphĂ€rischen und topographischen Details, ihre radikale Subjektivierung der Perspektivik und Darstellungsform, ihre affektive NĂ€he zu erotisch-sexuellen TriebkrĂ€ften verleihen der ErzĂ€hlung eine teils fesselnde, teils auch beklemmende IntensitĂ€t.âcite-ref-196[196]
Literatur
Ausgaben
âą Hugo von Hofmannsthal: Andreas oder Die Vereinigten. Fragmente eines Romans, mit einem Nachwort von Jakob Wassermann, Umschlag und Titelvignette von Hans Meid. S. Fischer Verlag, Berlin 1932.
âą Hugo von Hofmannsthal: Andreas oder Die Vereinigten. Fragmente eines Romans. Mit Original-Holzstichen von Imre Reiner. Tellurium-Verlag, ZĂŒrich 1944.
âą Hugo von Hofmannsthal: Gesammelte Werke in zwölf Einzelausgaben, herausgegeben von Herbert Steiner: Die ErzĂ€hlungen, Bermann-Fischer, Stockholm 1945, Seiten 138â303, (Neuauflage im S. Fischer Verlag, 1953, S. 113â247).
âą Hugo von Hofmannsthal: SĂ€mtliche Werke. Kritische Ausgabe. Band XXX: Aus dem Nachlass herausgegeben von Manfred Pape, S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 1982 (zitiert als âSW XXXâ).
âą Hugo von Hofmannsthal: Andreas (1907â1927). S. 198â319 in: Hugo von Hofmannsthal. Gesammelte Werke in zehn EinzelbĂ€nden. Hrsg. von Bernd Schoeller in Beratung mit Rudolf Hirsch: Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 1979, Band ErzĂ€hlungen. Erfundene GesprĂ€che und Briefe. Reisen. ISBN 3-596-22165-X.
âą Hugo von Hofmannsthal: Andreas, Herausgegeben von Mathias Mayer, Reclam 1992, Neue Auflage 2000 (Universal-Bibliothek Nr. 8800), ISBN 3-15-008800-3.
âą Hugo von Hofmannsthal: Andreas. Mit einem Nachwort von Lorenz JĂ€ger, Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 2002 (Fischer Taschenbuch 15525), ISBN 978-3-596-15525-5.
SekundÀrliteratur
âą Joachim Seng, »Andreas« (Fragment 1930) in: Mathias Mayer, Julian Werlitz (Hrsg.): Hofmannsthal-Handbuch, Leben â Werk â Wirkung, Metzler, Stuttgart 2016, ISBN 978-3-476-02591-3, S. 299â303.
âą Morton Prince: The dissociation of a personality. Longmans, Green and Co., London 1908 (Textarchiv â Internet Archive)
âą Hermann Broch: Hofmannsthal und seine Zeit. Eine Studie. Herausgegeben und mit einem Nachwort versehen von Paul Michael LĂŒtzeler, Suhrkamp, Frankfurt am Main 2001, insbesondere S. 208â223, (Erstdruck 1955 im Rhein-Verlag).
âą Fritz Martini: Hugo von Hofmannsthal: âșAndreas oder die Vereinigtenâč. In ders.: Das Wagnis Sprache. Interpretation deutscher Prosa von Nietzsche bis Benn, Stuttgart 1954. Wieder abgedruckt in: Hugo von Hofmannsthal, hrsg. von Sibylle Bauer (=Wege der Forschung CLXXXIII), Darmstadt 1968, 311â351.
âą Richard Alewyn: âșAndreasâč und die »wunderbare Freundin«. In: Ders.: Ăber Hugo von Hofmannsthal, Göttingen, 4. Auflage 1967, S. 131â167, (3. Auflage, 1963, S. 124â160). Digitalisiert: Alewyn
âą Karl Gautschi: Hugo von Hofmannsthals Romanfragment âAndreasâ, Diss. Juris-Verlag, ZĂŒrich 1965.
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âą Angelika Corbineau-Hoffmann: Der Aufbruch ins Offene. Figuren des Fragmentarischen in Prousts âșJean Santeuilâč und Hofmannsthals âșAndreasâč. Ein Versuch In: Hofmannsthal-Forschungen Bd. 9, Freiburg i. Br. 1987, S. 163â194.
âą Gerhart Baumann: Hugo von Hofmannsthal. Maske und Mysterium. Zu den âșAndreasâč-Fragmenten. In: Ders.: Erschriebene Welt. Versuche zur Dichtung. Freiburg i. Br. 1988, S. 155â173.
âą Waltraud Wiethölter: Das andere Gesicht: âșAndreasâč. In: Dies.: Hofmannsthal oder Die Geometrie des Subjekts. Psychostrukturelle und ikonographische Studien zum Prosawerk, TĂŒbingen 1990, S. 118â235.
âą Mathias Mayer: Nachwort. In: Hugo von Hofmannsthal: âșAndreasâč, Hrsg. von Mathias Mayer, Stuttgart 1992, S. 127â148.
âą Mathias Mayer: Die Grenzen des Textes. Zur Fragmentarik und Rezeption von Hofmannsthals âșAndreasâč-Roman. In: Ătudes Germaniques Nr. 49, H. 4, Paris 1994, S. 469â492.
âą Achim Aurnhammer: Hofmannsthals âșAndreasâč. Das Fragment als ErzĂ€hlform zwischen Tradition und Moderne. In: Hofmannsthal-Jahrbuch 3/1995, S. 275â297.
âą Jacques Le Rider: Hugo von Hofmannsthal. Historismus und Moderne in der Literatur der Jahrhundertwende, ĂŒbersetzt von Leopold Federmair, 1997, Wien â Köln â Weimar (=Nachbarschaften Humanwissenschaftliche Studien Bd. 6), ISBN 3-205-98501-X, S. 129â157.
âą Konrad Heumann: Hugo von Hofmannsthal und Ladinien. Zur Entstehung des Romanfragments âșAndreasâč. In: Ladini â Sföi CulturĂąl dai Ladins dles Dolomites, Bd. XXII, 1998 S. 325â340.
âą Mathias Mayer (Hrsg.): Hofmannsthals âșAndreasâč â NachtrĂ€ge, Nachfragen und Nachwirkungen. Teil I. In: Hofmannsthal-Jahrbuch 6/1998, S. 129â138.
âą Mathias Mayer (Hrsg.): Hofmannsthals âșAndreasâč â NachtrĂ€ge, Nachfragen und Nachwirkungen. Teil II: Hofmannsthals âșAndreasâč im Spiegel frĂŒher Kritik (1930â1954). In: Hofmannsthal-Jahrbuch 7/1999, S. 101â198.
âą Joachim Seng: »Das Halbe, Fragmentarische aber, ist eigentlich menschliches Gebiet.« Der âșAndreasâč-Roman von Hugo von Hofmannsthal. In: Bernhard Fetz und Klaus Kastberger (Hrsg.): Die Teile und das Ganze. Bausteine der literarischen Moderne in Ăsterreich. Paul Zsolnay Verlag, Wien 2003, ISBN 3-552-05215-1, S. 174â186.
âą Katrin Scheffer: Schwebende, webende Bilder. Strukturbildende Motive und Blickstrategien in Hugo von Hofmannsthals Prosaschriften, zugleich: Marburg, Univ. Diss., Tectum Verlag, Marburg 2007, ISBN 978-3-8288-9424-2.
⹠Maximilian Bergengruen: Mystik der Nerven. Hugo von Hofmannsthals literarische Epistemologie des »Nicht-mehr-Ich«. Rombach Verlag, Freiburg i. Br. 2010, ISBN 978-3-7930-9615-3.
âą GĂŒnter Schnitzler: Quellendichte und UnabschlieĂbarkeit. Zu Hofmannsthals âșAndreasâč-Roman. In: Ralf Bogner u. a. (Hrsg.): RealitĂ€t als Herausforderung. Literatur in ihren konkreten historischen Kontexten. De Gruyter, Berlin 2011, ISBN 978-3-11-025393-1, S. 447â462.
âą Anke Junk: Andreas oder Die Vereinigten von Hugo von Hofmannsthal - eine kulturpsychoanalytische Untersuchung. Impr. Henner Junk, Hannover 2015, DNB 1100955305.
âą Inka MĂŒlder-Bach: Genremischung und Gattungskonflikt. Zur episch-dramatischen Doppelphysiognomie von Hofmannsthals »Andreas«-Fragment. In: Hofmannsthal-Jahrbuch 26/2018, S. 167â186.
âą Elsbeth Dangel-Pelloquin und Alexander Honold: Grenzenlose Verwandlung: Hugo von Hofmannsthal. Biographie, S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2024, ISBN 978-3-10-397553-6, insbesondere S. 459â480.
âą GĂŒnter Schnitzler: Die Dissoziation des Ich. In: Ders.: Erfahrung und Bild. Die dichterische Wirklichkeit des Charles Sealsfield (Karl Postl). Rombach Verlag, Freiburg im Breisgau, 1988, ISBN 3-7930-9047-7, S. 342â347.
âą Elisabetta Potthoff: Endlose Trennung und Vereinigung. Spuren Ariosts in Hofmannsthals âșAndreasâč, in: Hofmannsthal-Jahrbuch 3/1995, S. 297â303.
Weblinks
âą Andreas oder Die Vereinigten bei Zeno.org.
âą Andreas im Projekt Gutenberg-DE
âą R. Alewyn ĂŒber âAndreasâ[1]
Einzelnachweise
cite-note-11. â Hugo von Hofmannsthal: Fragment eines Romans, Teildruck in: Corona, Jg. 1. Heft 1 und Heft 2. Die aktuell maĂgebende Fassung liegt vor in Band XXX der Ausgabe: Hugo von Hofmannsthal: SĂ€mtliche Werke. Kritische Ausgabe. Aus dem Nachlass herausgegeben von Manfred Pape, Frankfurt am Main 1982, Bd. XXX (zitiert als âSW XXXâ). Es ist zu beachten, dass der Text â dem Entwurfscharakter entsprechend â nicht der standardisierten Orthografie folgt.
cite-note-22. â Waltraud Wiethölter: Hofmannsthal oder Die Geometrie des Subjekts. Psychostrukturelle und ikonographische Studien zum Prosawerk. TĂŒbingen 1990, 118â235, hier: S. 120.
cite-note-33. â â[...] lâincomparabile tentativo di romanzo di Hugo von Hofmannsthal (»Andreas oder die Vereinigten«), lâevento forse piu felice della poesia tedesca dopo il ritrovamento dei versi di Hölderlin, un messaggio alla Germania spirituale, che come quello del »Heinrich von Ofterdingen« e del »Witiko« non giungera mai a termine [...].â Felix Braun: Studi Germanici. Rivista Bimestriale, Anno 1,1935, Numero I, S. 118â121. Zitiert nach: Mathias Mayer (Hrsg.): Hofmannsthals âșAndreasâč â NachtrĂ€ge, Nachfragen und Nachwirkungen. Teil II: Hofmannsthals âșAndreasâč im Spiegel frĂŒher Kritik (1930â1954). In: Hofmannsthal-Jahrbuch 7/1999, S. 193.
cite-note-44. â Mathias Mayer: Nachwort. In: Hugo von Hofmannsthal: âșAndreasâč. Hrsg. von Mathias Mayer. Stuttgart 1992, S. 137.
cite-note-55. â Die kritische Ausgabe vermerkt den 7. September, allerdings als unsicher entziffert, wĂ€hrend die Erstausgabe den 17. September hat; Joachim Seng wiederum plĂ€diert fĂŒr den 12. September als die korrekte Lesart (Seng, Joachim: »Das Halbe, Fragmentarische aber, ist eigentlich menschliches Gebiet.« Der âșAndreasâč-Roman von Hugo von Hofmannsthal. In: Fetz, Bernhard/Kastberger, Klaus (Hrsg.): Die Teile und das Ganze. Bausteine der literarischen Moderne in Ăsterreich. Wien 2003, 174â186, hier: S. 184).
cite-note-66. â Manfred Pape: «Ferschengelder». Der erste Entwurf zu Hofmannsthals «Andreas». In: Hofmannsthal-BlĂ€tter, Heft 13/14, 1975, S. 42â47, hier S. 42.
cite-note-77. â Manfred Pape: Entstehung und Misslingen von Hofmannsthals âșAndreasâč. Mit unbekannten Notizen. In: Ătudes Germaniques 32 (1977), Heft 4, S. 420.
cite-note-88. â SW XXX, S. 321.
cite-note-99. â Auskunft ĂŒber die sich ĂŒber 20 Jahre erstreckende Entstehungsgeschichte gibt Manfred Pape in der Kritischen Ausgabe, SW XXX, S. 303â311, sowie in seinem Aufsatz Entstehung und Misslingen von Hofmannsthals âșAndreasâč. Mit unbekannten Notizen. In: Ătudes Germaniques 32 (1977), Heft 4, S. 420â436.
cite-note-1010. â Manfred Pape: Entstehung und Misslingen von Hofmannsthals âșAndreasâč. Mit unbekannten Notizen. In: Ătudes Germaniques 32 (1977), Heft 4, S. 425.
cite-note-1111. â Manfred Pape: Entstehung und Misslingen von Hofmannsthals âșAndreasâč. Mit unbekannten Notizen. In: Ătudes Germaniques 32 (1977), Heft 4, S. 426.
cite-note-1212. â Manfred Pape: Entstehung und Misslingen von Hofmannsthals âșAndreasâč. Mit unbekannten Notizen. In: Ătudes Germaniques 32 (1977), Heft 4, S. 423.
cite-note-1313. â Manfred Pape: Entstehung und Misslingen von Hofmannsthals âșAndreasâč. Mit unbekannten Notizen. In: Ătudes Germaniques 32 (1977), Heft 4, S. 426.
cite-note-1414. â In der Textgestalt der kritischen Ausgabe zeigt sich dies unter anderem an zahlreichen deklarierten ErgĂ€nzungen, die nötig sind, um verstĂ€ndliche SĂ€tze zu erhalten, und an einer nicht konsequent durchgefĂŒhrten Zeichensetzung.
cite-note-1515. â Hofmannsthal schreibt am 29. September 1921 an den Redakteur der schwedischen Zeitschrift Ord och Bild: âIn einiger Zeit könnte ich auch aus einer romanartigen ErzĂ€hlung, die ich seit vielen Jahren unter der Feder habe, das erste Buch, eine in sich geschlossene Darstellung zurecht machen [âŠ].â (SW XXX, S. 371).
cite-note-1616. â âVon Bedeutung ist in diesem Zusammenhang ein Brief vom 29-9-1921 an der [sic!] Redakteur der schwedischen Zeitschrift «Ord och Bild», in dem Hofmannsthal auĂer den beiden ersten Akten des Turm diesen Andreas-Teil zum Erstdruck anbietet; beide Veröffentlichungen kamen aber nicht zustande.â Manfred Pape: Entstehung und Misslingen von Hofmannsthals âșAndreasâč. Mit unbekannten Notizen. In: Ătudes Germaniques 32 (1977), Heft 4, S. 435, (Anmerkung 16).
cite-note-1717. â Manfred Pape: Entstehung und Misslingen von Hofmannsthals âșAndreasâč. Mit unbekannten Notizen. In: Ătudes Germaniques 32 (1977), Heft 4, S. 428.
cite-note-1818. â SW XXX, S. 19, Notiz 25 (die KĂŒrzel MI und MII verwendet Hofmannsthal hĂ€ufig fĂŒr Maria und Mariquita). Unter dem Titel Die Dame mit dem HĂŒndchen existiert ĂŒbrigens eine ErzĂ€hlung von Anton Tschechow, deren deutsche Ăbersetzung 1902 erschienen ist.
cite-note-1919. â Manfred Pape: Entstehung und Misslingen von Hofmannsthals âșAndreasâč. Mit unbekannten Notizen. In: Ătudes Germaniques 32 (1977), Heft 4, S. 426.
cite-note-2020. â Manfred Pape: Entstehung und Misslingen von Hofmannsthals âșAndreasâč. Mit unbekannten Notizen. In: Ătudes Germaniques 32 (1977), Heft 4, S. 431.
cite-note-2121. â âAls der Andreas-Roman aus dem NachlaĂ bekannt wurde â 1930 in der neugegrĂŒndeten Zeitschrift Corona â fand er so gut wie einstimmig positive Aufnahme, ja sogar höchste Zustimmung [âŠ]. Arthur SchnitzIer und Jakob Wassermann, Eugen Gottlob Winkler und Stefan Zweig, Hermann Hesse und Josef Roth, Rudolf Kassner und Gerhart Hauptmann, spĂ€ter Thomas Mann und Hermann Broch gehörten zu den begeisterten Lesern des Andreas. Schon 1930 wird der Zeitschriftendruck in der Corona besprochen, besonders aber die Buchausgabe von 1932, die einen Teil der NachlaĂnotizen und ein Nachwort von J. Wassermann beifĂŒgt, wird vielfach rezensiert. Wassermanns HochschĂ€tzung, das Fragment neben Schuberts Unvollendete oder Novalisâ Ofterdingen zu stellen, wird in keinem Fall als unangemessen zurĂŒckgewiesen.â Mathias Mayer: Die Grenzen des Textes. Zur Fragmentarik und Rezeption von Hofmannsthals âșAndreasâč-Roman. In: Ătudes Germaniques 49 (1994), Heft 4, S. 487.
cite-note-2222. â Mathias Mayer hat gegen 50 Reaktionen aus der Zeit bis 1954 gesammelt und zusammengestellt: Mathias Mayer (Hrsg.): Hofmannsthals âșAndreasâč â NachtrĂ€ge, Nachfragen und Nachwirkungen. Teil II: Hofmannsthals âșAndreasâč im Spiegel frĂŒher Kritik (1930â1954). In: Hofmannsthal-Jahrbuch 7/1999, Seiten 101â198.
cite-note-2323. â Eduard Korrodi: Corona. Eine neue Zeitschrift. In: Neue ZĂŒrcher Zeitung, Nr. 1233, 22. Juni 1930.
cite-note-2424. â Etwa jene von Hermann Broch: âMit dem Andreas hat Hofmannsthal seinem erzĂ€hlerischen Schaffen einen Gipfel gesetzt, dessen Höhe er unterschĂ€tzt hat; er gab die Erklimmung auf, weil ihn, [âŠ] dies allzusehr ins Autobiographische drĂ€ngte [âŠ] und dies mit seiner Ich-Verschweigung unvereinbar warâ. In: Hermann Broch: Hofmannsthal und seine Zeit. Eine Studie. Herausgegeben und mit einem Nachwort versehen von Paul Michael LĂŒtzeler, Frankfurt am Main 2001, S. 218. Oder W. G. Sebald: âNicht die erhabenen Zielsetzungen seines Bildungskonzepts haben [âŠ] den Roman zum Fragment verurteilt, sondern das, daĂ Hofmannsthal bei der Skizzierung einer erotischen Aventiure in tiefere Wasser geriet, als ihm selber geheuer sein mochte.â In: W. G. Sebald: Venezianisches Kryptogramm. Hofmannsthals âșAndreasâč. In: ders., Die Beschreibung des UnglĂŒcks. Zur österreichischen Literatur von Stifter bis Handke, Salzburg und Wien 1985, S. 63.
cite-note-2525. â Zitiert nach: Mathias Mayer (Hrsg.): Hofmannsthals âșAndreasâč â NachtrĂ€ge, Nachfragen und Nachwirkungen. Teil II: Hofmannsthals âșAndreasâč im Spiegel frĂŒher Kritik (1930â1954). In: Hofmannsthal-Jahrbuch 7/1999, S. 114.
cite-note-2626. â Stefan Zweig, Briefe an Freunde, hrsg. von Richard Friedenthal. Frankfurt am Main 1978, S. 210f. Zitiert nach: Mathias Mayer (Hrsg.): Hofmannsthals âșAndreasâč â NachtrĂ€ge, Nachfragen und Nachwirkungen. Teil II: Hofmannsthals âșAndreasâč im Spiegel frĂŒher Kritik (1930â1954). In: Hofmannsthal-Jahrbuch 7/1999, S. 115.
cite-note-2727. â Walther Brecht: Ein Romanfragment Hofmannsthals. In: SĂŒddeutsche Monatshefte XXVIII, Heft 6, S. 455f. Zitiert nach: Mathias Mayer (Hrsg.): Hofmannsthals âșAndreasâč â NachtrĂ€ge, Nachfragen und Nachwirkungen. Teil II: Hofmannsthals âșAndreasâč im Spiegel frĂŒher Kritik (1930â1954). In: Hofmannsthal-Jahrbuch 7/1999, S. 125.
cite-note-2828. â Jakob Wassermann im Nachwort zur ersten Buchausgabe: Andreas oder die Vereinigten, Berlin 1932, S. 175 und 177.
cite-note-2929. â Felix Salten: Hofmannsthal: Romanfragment, In: Neue Freie Presse Wien, 11. November 1932. Zitiert nach: Mathias Mayer (Hrsg.): Hofmannsthals âșAndreasâč â NachtrĂ€ge, Nachfragen und Nachwirkungen. Teil II: Hofmannsthals âșAndreasâč im Spiegel frĂŒher Kritik (1930â1954). In: Hofmannsthal-Jahrbuch 7/1999, S. 138.
cite-note-3030. â â[âŠ] heute bin ich sicher, daĂ ohne den Zusammenbruch Ăsterreichs, ohne die Zerfetzung der Monarchie die Dichtung ihren vorbestimmten Gang bis zu Ende genommen hĂ€tte.â Jakob Wassermann im Nachwort zur ersten Buchausgabe: Andreas oder die Vereinigten, Berlin 1932, S. 177.
cite-note-3131. â âMit dem Andreas hat Hofmannsthal seinem erzĂ€hlerischen Schaffen einen Gipfel gesetzt, dessen Höhe er unterschĂ€tzt hat; er gab die Erklimmung auf, weil ihn, der mit vornehmlich visueller, doch nicht bergsteigerischer AusrĂŒstung ausgezogen war, dies allzusehr ins Autobiographische drĂ€ngte [âŠ], und dies mit seiner Ich-Verschweigung unvereinbar war [...].â Hermann Broch: Hofmannsthal und seine Zeit. Eine Studie. Herausgegeben und mit einem Nachwort versehen von Paul Michael LĂŒtzeler, Frankfurt am Main 2001, S. 218.
cite-note-3232. â âNicht die erhabenen Zielsetzungen seines Bildungskonzepts haben, wie Martini meinte, den Roman zum Fragment verurteilt, sondern das, daĂ Hofmannsthal bei der Skizzierung einer erotischen Aventiure in tiefere Wasser geriet, als ihm selber geheuer sein mochte.â W.G. Sebald: Venezianisches Kryptogramm. Hofmannsthals âșAndreasâč. In: W.G. Sebald, Die Beschreibung des UnglĂŒcks. Zur österreichischen Literatur von Stifter bis Handke, Salzburg und Wien 1985, S. 63.
cite-note-3333. â âVerbunden ist damit die Annahme, daĂ die entscheidende und schlieĂlich zum Scheitern fĂŒhrende Irritation nicht vorrangig literarischer Natur gewesen, sondern von der im Text unsichtbar prĂ€senten Bilderserie ausgegangen ist, weil diese Bilder â Tizians Venus und ihre modernen Varianten â fĂŒr Hofmannsthal die Funktion eines narziĂtisch besetzten Selbstbildes besessen und als Imagines der âșbösenâč Mutter eine positive Konfliktlösung verhindert haben.â Waltraud Wiethölter: Hofmannsthal oder Die Geometrie des Subjekts. Psychostrukturelle und ikonographische Studien zum Prosawerk. TĂŒbingen 1990, S. 250f.
cite-note-3434. â âEinerseits verlangt die Polarisation der Charaktere als Gegensatz zu der himmlischen eine irdische Liebe. Andererseits war der Gedanke einer körperlichen IntimitĂ€t zwischen Andreas und Mariquita schwer ertrĂ€glich angesichts der physischen IdentitĂ€t von Mariquita und Maria, aber auch weil die völlige Vereinigung nicht vorweggenommen werden konnte, ohne die VermĂ€hlung zwischen Andreas und Maria/Mariquita, auf die alles zusteuert, ihrer Einzigkeit, ihrer Festlichkeit und ihrer Erlösungskraft zu berauben.â Richard Alewyn: âșAndreasâč und die »wunderbare Freundin«. In: Ders.: Ăber Hugo von Hofmannsthal, Göttingen 1963, 3. Auflage, S. 148.
cite-note-3535. â âThere is, however, at least one more reason why Hofmannsthal did not complete, and perhaps never could have completed, Andreas. This was, briefly, the innate difficulty of portraying Andreasâ ideal love for Romana in such a realistic form as that of the novel.â David H. Miles: Hofmannsthalâs Novel âșAndreasâč: Memory and Self. Princeton 1972, S. 202.
cite-note-3636. â âWenn die rund 80 Druckseiten auĂer den Erlebnissen in KĂ€rnten nur einen einzigen Tag in Venedig festhalten, wie und in welchem Umfang hĂ€tte sich dann die grenzenlose Vielfalt der Ideen, die die Notizen von 1907â1927 andeuten, bei Hofmannsthals angestrengtem Umgang mit Romanvorhaben jemals bewĂ€ltigen lassen?â Manfred Pape: «Ferschengelder». Der erste Entwurf zu Hofmannsthals «Andreas». In: Hofmannsthal-BlĂ€tter, Heft 13/14 1975, S. 46.
cite-note-3737. â âDer »Andreas« ist von der Konzeption her, als KompromiĂ zwischen Tradition und Moderne, zum Fragment und zur offenen Form prĂ€destiniert.â Achim Aurnhammer: Hofmannsthals âșAndreasâč. Das Fragment als ErzĂ€hlform zwischen Tradition und Moderne. In: Hofmannsthal-Jahrbuch 3/1995, S. 295.
cite-note-3838. â âDieser MiĂerfolg hat zu tun mit der Tyrannei einer Gattung, die ursprĂŒnglich gar nichts âspezifisch Deutschesâ hatte, am Ende des 18. Jahrhunderts jedoch mit dem Bildungsroman und seinem Prototyp, Goethes Wilhelm Meister, zum deutschen Genre par excellence wurde. Hofmannsthal grĂŒndet sein ErzĂ€hlprojekt auf die beiden StĂŒtzpfeiler des Bildungsromans, doch diese Pfeiler erweisen sich als wackelig und brechen bald zusammen. Der Bildungsroman erzĂ€hlt zunĂ€chst von der Bildung eines Charakters und einer Biographie; er bedarf einer linearen Konstruktion, die auf die Hauptfigur bezogen bleibt. Andererseits schildert er eine âbĂŒrgerliche Kulturâ, der sich die Hauptfigur anfangs entgegenstellt, bevor er sich ihr anpaĂt.â Jacques Le Rider: Hugo von Hofmannsthal. Historismus und Moderne in der Literatur der Jahrhundertwende, ĂŒbersetzt von Leopold Federmair, 1997, Wien, Köln, Weimar (Nachbarschaften Humanwissenschaftliche Studien 6, hrsg. von Georg Schmid und Sigrid Schmid-Bortenschlager), S. 131.
cite-note-3939. â ââŠdas Fragmentarische des Textes [ist] Ausdruck von spezifischen Problemen [âŠ]. Diese Probleme lassen sich am Text konkretisieren und betreffen das VerhĂ€ltnis zwischen den beiden HandlungsrĂ€umen KĂ€rnten und Venedig ebenso wie die erzĂ€hlerische Gestaltung dieser HandlungsrĂ€ume selbst. [âŠ] Hofmannsthals ErzĂ€hlprosa [hat], wo sie nicht Landschaftliches beschreibt, eine starke Tendenz zum Szenisch-Dramatischen. Das manifestiert sich im »Andreas« zum einen in einer ErzĂ€hlweise, die von Mischformen geprĂ€gt ist. Zum anderen zeichnet sich im Textaufbau ein Konflikt zwischen Episch-Romanhaftem und Dramatisch-Komödiantischem ab, der mit dem Zusammenhang zwischen literarischen Gattungen und kulturellen Topografien zu tun hat.â Inka MĂŒlder-Bach: Genremischung und Gattungskonflikt. Zur episch-dramatischen Doppelphysiognomie von Hofmannsthals »Andreas«-Fragment. In: Hofmannsthal-Jahrbuch 26/2018, S. 169f.
cite-note-4040. â Richard Alewyn: âșAndreasâč und die »wunderbare Freundin«. In: Ders.: Ăber Hugo von Hofmannsthal, Göttingen 1963, 3. Auflage, S. 151f.
cite-note-4141. â âAndreas, [âŠ] although he is in all likelihood not destined to marry Romana and return with her to Vienna, will indeed come to appreciate her eventually as a love that will enhance his vision and his experience of the world â of this world and not that which comes after [âŠ].â David H. Miles: Hofmannsthalâs Novel âșAndreasâč: Memory and Self. Princeton 1972, S. 153.
cite-note-4242. â Mathias Mayer: Hugo von Hofmannsthal. Stuttgart und Weimar 1993, S. 138.
cite-note-4343. â Achim Aurnhammer: Hofmannsthals âșAndreasâč. Das Fragment als ErzĂ€hlform zwischen Tradition und Moderne. In: Hofmannsthal-Jahrbuch 3/1995, S. 276.
cite-note-4444. â Alexander Honold in: Elsbeth Dangel-Pelloquin und Alexander Honold: Grenzenlose Verwandlung: Hugo von Hofmannsthal: Biographie, Frankfurt am Main 2024, S. 460.
cite-note-4545. â âSoweit sich die Forschung ĂŒberhaupt mit der fragmentarischen QualitĂ€t des »Andreas« auseinandersetzt, beurteilt sie diese gern als ein âșScheiternâč â einzig Angelika Corbineau-Hoffmann erkennt der Fragmentarik einen Ă€sthetischen Wert zu.â Achim Aurnhammer: Hofmannsthals âșAndreasâč. Das Fragment als ErzĂ€hlform zwischen Tradition und Moderne. In: Hofmannsthal-Jahrbuch 3/1995, S. 282f.
cite-note-4646. â Jean-Louis Galay: ProblĂšmes de Iâoeuvre fragmentale: ValĂ©ry. In: PoĂ©tique. Revue de thĂ©orie et dâanalyse littĂ©raires, 31, 1977, S. 337â367.
cite-note-4747. â Christoph Meckel: Ăber das Fragmentarische, Mainz: Akademie der Wissenschaften und der Literatur. Wiesbaden 1978.
cite-note-4848. â Angelika Corbineau-Hoffmann: Der Aufbruch ins Offene. Figuren des Fragmentarischen in Prousts âșJean Santeuilâč und Hofmannsthals âșAndreasâč. Ein Versuch (Hofmannsthal-Forschungen Bd. 9), Freiburg i. Br. 1987, S. 167.
cite-note-4949. â Angelika Corbineau-Hoffmann: Der Aufbruch ins Offene. Figuren des Fragmentarischen in Prousts âșJean Santeuilâč und Hofmannsthals âșAndreasâč. Ein Versuch (Hofmannsthal-Forschungen Bd. 9), Freiburg i. Br. 1987, S. 166f.
cite-note-5050. â Angelika Corbineau-Hoffmann: Der Aufbruch ins Offene. Figuren des Fragmentarischen in Prousts âșJean Santeuilâč und Hofmannsthals âșAndreasâč. Ein Versuch (Hofmannsthal-Forschungen Bd. 9), Freiburg i. Br. 1987, S. 186.
cite-note-5151. â Mathias Mayer: Die Grenzen des Textes. Zur Fragmentarik und Rezeption von Hofmannsthals âșAndreasâč-Roman. In: Ătudes Germaniques 49 (1994), H. 4, S. 469â472.
cite-note-5252. â Mathias Mayer: Die Grenzen des Textes. Zur Fragmentarik und Rezeption von Hofmannsthals âșAndreasâč-Roman. In: Ătudes Germaniques 49 (1994), H. 4, S. 478.
cite-note-5353. â Mathias Mayer: Die Grenzen des Textes. Zur Fragmentarik und Rezeption von Hofmannsthals âșAndreasâč-Roman. In: Ătudes Germaniques 49 (1994), H. 4, S. 487.
cite-note-5454. â Mathias Mayer: Nachwort. In: Hugo von Hofmannsthal: âșAndreasâč. Hrsg. von Mathias Mayer. Stuttgart 1992, S. 137.
cite-note-5555. â Achim Aurnhammer: Hofmannsthals âșAndreasâč. Das Fragment als ErzĂ€hlform zwischen Tradition und Moderne. In: Hofmannsthal-Jahrbuch 3/1995, S. 296.
cite-note-5656. â Katrin Scheffer: Schwebende, webende Bilder. Strukturbildende Motive und Blickstrategien in Hugo von Hofmannsthals Prosaschriften, zugl.: Marburg, Univ. Diss., 2007, S. 33.
cite-note-5757. â â[Die Notizen] liefern sicherlich dienliche Hinweise und lassen in ZĂŒgen die weiter geplanten HandlungsverlĂ€ufe oder Aspekte der Charakterisierungen einzelner Personen erkennen; in dieser Hinsicht werden sie etwa von Bertau und Wiethölter als dem abgeschlossenen Textteil gleichwertig angesehen. Das fĂŒhrt bei Wiethölter zu unhaltbaren RĂŒckschlĂŒssen, wenn sich ihr zufolge â[vor dem Hintergrund der Rosenkreuzerparabel] das Puzzle der fragmentarischen Hinweise mĂŒhelos entziffern und zu einem Gesamtbild ergĂ€nzen [lĂ€Ăt]ââ. Katrin Scheffer: Schwebende, webende Bilder. Strukturbildende Motive und Blickstrategien in Hugo von Hofmannsthals Prosaschriften, zugl.: Marburg, Univ. Diss., 2007, S. 30.
cite-note-5858. â âHauptentwurf und Notizen in einer Gesamtinterpretation zu integrieren, vermeint Waltraud Wiethölter: Hofmannsthal oder Die Geometrie des Subjekts. Psychostrukturelle und ikonographische Studien zum Prosawerk. TĂŒbingen 1990, besonders S. 118â235. Ihr Versuch krankt aber eben daran, daĂ er von Fragmentarik und Faktur absieht und einen Verschnitt an Hintergrundwissen bietet, welcher »das Puzzle der fragmentarischen Hinweise mĂŒhelos [!] entziffern und zu einem Gesamtbild ergĂ€nzen« könne (227).â Achim Aurnhammer: Hofmannsthals âșAndreasâč. Das Fragment als ErzĂ€hlform zwischen Tradition und Moderne. In: Hofmannsthal-Jahrbuch 3/1995, S. 276.
cite-note-5959. â Richard Smekal, Hofmannsthals nachgelassener Roman. Ein österreichischer »Wilhelm Meister«. In: Neues Wiener Journal, Nr. 13.190, 10. August 1939, S. 13. Zitiert nach: Mathias Mayer (Hrsg.): Hofmannsthals âșAndreasâč â NachtrĂ€ge, Nachfragen und Nachwirkungen. Teil II: Hofmannsthals âșAndreasâč im Spiegel frĂŒher Kritik (1930â1954). In: Hofmannsthal-Jahrbuch 7/1999, S. 110.
cite-note-6060. â âStudieren, innerhalb welcher Grenzen im W Meister die Nebenfiguren verwandt und wie sie mit den Hauptfiguren verknĂŒpft sind. (Laertes, die Alte Melina, Serlo â)â (SW XXX, S. 194, Notiz 312).
cite-note-6161. â So Alfred Walter Heymel 1913/14 gemÀà den Erinnerungen von Richard Voss: Richard Voss, Aus einem phantastischen Leben. Erinnerungen, Stuttgart 1920, S. 406f. Zitiert nach: Mathias Mayer (Hrsg.): Hofmannsthals âșAndreasâč â NachtrĂ€ge, Nachfragen und Nachwirkungen. Teil II: Hofmannsthals âșAndreasâč im Spiegel frĂŒher Kritik (1930â1954). In: Hofmannsthal-Jahrbuch 7/1999, S. 105.
cite-note-6262. â Manfred Pape: Entstehung und Misslingen von Hofmannsthals âșAndreasâč. Mit unbekannten Notizen. In: Ătudes Germaniques 32 (1977), Heft 4, S. 425.
cite-note-6363. â Jakob Wassermann im Nachwort zur ersten Buchausgabe: Andreas oder die Vereinigten, Berlin 1932, S. 175.
cite-note-6464. â âSo bleibt dieser Roman noch der Tradition des Bildungsromans seit Goethe naheâ. Fritz Martini: Hugo von Hofmannsthal: âșAndreas oder die Vereinigtenâč. In: Hugo von Hofmannsthal, hrsg. von Sibylle Bauer (Wege der Forschung CLXXXIII), Darmstadt 1968, S. 343.
cite-note-6565. â âMan hat in Hofmannsthals Andreas einen Entwicklungsroman gesehen â mit Recht, insofern das Thema des Entwicklungsromans dieses ist: ein junger Mensch, mit der Welt sowohl wie mit sich selbst zerfallen, kommt zu sich selbst, indem er mit der Welt ĂŒbereinkommt.â Richard Alewyn: âșAndreasâč und die »wunderbare Freundin«. In: Ders.: Ăber Hugo von Hofmannsthal, Göttingen 1963, 3. Auflage, S. 144.
cite-note-6666. â âWie es das Ziel eines jeden Bildungsromans ist, so soll auch Andreasâ innerstes Wesen entwickelt und ihm selbst bewuĂt werden.â Karl Gautschi: Hugo von Hofmannsthals Romanfragment âAndreasâ, Diss., ZĂŒrich 1965, S. 15.
cite-note-6767. â â[âŠ] the novel clearly stands in the tradition of the German Bildungsroman [âŠ].â David H. Miles: Hofmannsthalâs Novel âșAndreasâč: Memory and Self. Princeton 1972, S. IX.
cite-note-6868. â W.G. Sebald: Venezianisches Kryptogramm. Hofmannsthals âșAndreasâč. In: W.G. Sebald, Die Beschreibung des UnglĂŒcks. Zur österreichischen Literatur von Stifter bis Handke, Salzburg und Wien 1985, S. 63.
cite-note-6969. â Mathias Mayer: Die Grenzen des Textes. Zur Fragmentarik und Rezeption von Hofmannsthals âșAndreasâč-Roman. In: Ătudes Germaniques 49 (1994), H. 4, S. 479.
cite-note-7070. â Mathias Mayer: Die Grenzen des Textes. Zur Fragmentarik und Rezeption von Hofmannsthals âșAndreasâč-Roman. In: Ătudes Germaniques 49 (1994), H. 4, S. 480.
cite-note-7171. â Mathias Mayer: Die Grenzen des Textes. Zur Fragmentarik und Rezeption von Hofmannsthals âșAndreasâč-Roman. In: Ătudes Germaniques 49 (1994), H. 4, S. 481.
cite-note-7272. â Mathias Mayer: Die Grenzen des Textes. Zur Fragmentarik und Rezeption von Hofmannsthals âșAndreasâč-Roman. In: Ătudes Germaniques 49 (1994), H. 4, S. 482.
cite-note-7373. â Achim Aurnhammer: Hofmannsthals âșAndreasâč. Das Fragment als ErzĂ€hlform zwischen Tradition und Moderne. In: Hofmannsthal-Jahrbuch 3/1995, S. 289.
cite-note-7474. â Achim Aurnhammer: Hofmannsthals âșAndreasâč. Das Fragment als ErzĂ€hlform zwischen Tradition und Moderne. In: Hofmannsthal-Jahrbuch 3/1995, S. 290.
cite-note-7575. â Achim Aurnhammer: Hofmannsthals âșAndreasâč. Das Fragment als ErzĂ€hlform zwischen Tradition und Moderne. In: Hofmannsthal-Jahrbuch 3/1995, S. 290.
cite-note-7676. â Jacques Le Rider: Hugo von Hofmannsthal. Historismus und Moderne in der Literatur der Jahrhundertwende, ĂŒbersetzt von Leopold Federmair, 1997, Wien, Köln, Weimar (Nachbarschaften Humanwissenschaftliche Studien 6, hrsg. von Georg Schmid und Sigrid Schmid-Bortenschlager), S. 129â157, hier S. 152f.
cite-note-7777. â Gerhart Baumann: Hugo von Hofmannsthal. âAndreas oder die Vereinigtenâ. SelbstverstĂ€ndnis und Roman. In: Ders.: Vereinigungen. Versuche zu neuerer Dichtung. MĂŒnchen 1972, S. 134.
cite-note-7878. â âSchon am Anfang des Romans zeigt sich die FragilitĂ€t der Figur in der Episode des Ritts ĂŒber die PĂ€sse und TĂ€ler KĂ€rntens. Diese Episode ist unmittelbar von Georg BĂŒchners Lenz beeinfluĂt.â Jacques Le Rider: Hugo von Hofmannsthal. Historismus und Moderne in der Literatur der Jahrhundertwende, ĂŒbersetzt von Leopold Federmair, 1997, Wien, Köln, Weimar (Nachbarschaften Humanwissenschaftliche Studien 6, hrsg. von Georg Schmid und Sigrid Schmid-Bortenschlager), S. 129â157, hier S. 137.
cite-note-7979. â âSo macht er [Hofmannsthal] in verschiedenen Varianten hĂ€ufig von der vergleichenden Wendung âșihm war (als)âč Gebrauch, die im Zuge der Psychologisierung der Literatur im 18.Jahrhundert Eingang in das ErzĂ€hlen fand. In Karl Philipp Moritzâ Roman »Anton Reiser« oder spĂ€ter in Georg BĂŒchners ErzĂ€hlung »Lenz« avancierte diese Wendung zu einem zentralen Mittel der Darstellung psychischen Erlebens und hatte im frĂŒhen 20. Jahrhundert nicht nur bei Hofmannsthal, sondern auch bei Musil noch einmal Konjunktur, bevor sie endgĂŒltig durch flexiblere Formen â wie die erlebte Rede und den inneren Monolog â verdrĂ€ngt wurde.â Inka MĂŒlder-Bach: Genremischung und Gattungskonflikt. Zur episch-dramatischen Doppelphysiognomie von Hofmannsthals »Andreas«-Fragment. In: Hofmannsthal-Jahrbuch 26/2018, S. 178f.
cite-note-8080. â GĂŒnter Schnitzler: Die Dissoziation des Ich. In: Ders.: Erfahrung und Bild. Die dichterische Wirklichkeit des Charles Sealsfield (Karl Postl). Freiburg 1988, S. 343.
cite-note-8181. â GĂŒnter Schnitzler: Die Dissoziation des Ich. In: Ders.: Erfahrung und Bild. Die dichterische Wirklichkeit des Charles Sealsfield (Karl Postl). Freiburg 1988, S. 344.
cite-note-8282. â Morton Prince: The Dissociation of a Personality. A biographical study in abnormal psychology, New York 1906.
cite-note-8383. â Richard Alewyn: âșAndreasâč und die »wunderbare Freundin«. In: Ders.: Ăber Hugo von Hofmannsthal, Göttingen 1963, 3. Auflage, S. 128ff.
cite-note-8484. â GĂŒnter Schnitzler: Die Dissoziation des Ich. In: Ders.: Erfahrung und Bild. Die dichterische Wirklichkeit des Charles Sealsfield (Karl Postl). Freiburg 1988, S. 346.
cite-note-8585. â SW XXX, S. 361.
cite-note-8686. â Richard Alewyn: âșAndreasâč und die »wunderbare Freundin«. In: Ders.: Ăber Hugo von Hofmannsthal, Göttingen 1963, 3. Auflage, S. 130.
cite-note-8787. â Richard Alewyn: âșAndreasâč und die »wunderbare Freundin«. In: Ders.: Ăber Hugo von Hofmannsthal, Göttingen 1963, 3. Auflage, S. 128f.
cite-note-8888. â Inka MĂŒlder-Bach: Genremischung und Gattungskonflikt. Zur episch-dramatischen Doppelphysiognomie von Hofmannsthals »Andreas«-Fragment. In: Hofmannsthal-Jahrbuch 26/2018, S. 167â186.
cite-note-8989. â Inka MĂŒlder-Bach: Genremischung und Gattungskonflikt. Zur episch-dramatischen Doppelphysiognomie von Hofmannsthals »Andreas«-Fragment. In: Hofmannsthal-Jahrbuch 26/2018, S. 174â176, 181.
cite-note-9090. â Die NĂ€he des Venedigteils zur theatralischen Gattung ist schon David H. Miles aufgefallen, wenn er schreibt: â⊠the city becomes a dream-theater of his [Andreasâ] inner self [âŠ].â David H. Miles: Hofmannsthalâs Novel âșAndreasâč: Memory and Self. Princeton 1972, S. 179f.
cite-note-9191. â Elsbeth Dangel-Pelloquin und Alexander Honold: Grenzenlose Verwandlung: Hugo von Hofmannsthal: Biographie, Frankfurt am Main 2024, S. 479.
cite-note-9292. â Maximilian Bergengruen: Mystik der Nerven. Hugo von Hofmannsthals literarische Epistemologie des »Nicht-mehr-Ich«. Freiburg i. Br. 2010, S. 103.
cite-note-9393. â Vgl. Maximilian Bergengruen: Mystik der Nerven. Hugo von Hofmannsthals literarische Epistemologie des »Nicht-mehr-Ich«. Freiburg i. Br. 2010, S. 114.
cite-note-9494. â âDas SchlĂŒsselerlebnis fĂŒr die Spaltung liegt im einzigen Beischlaf Maria-Mariquitas mit ihrem frĂŒhverstorbenen Mann[âŠ]. Was in der Nacht genau passiert, wird nicht gesagt.â Maximilian Bergengruen: Mystik der Nerven. Hugo von Hofmannsthals literarische Epistemologie des »Nicht-mehr-Ich«. Freiburg i. Br. 2010, S. 112.
cite-note-9595. â âDas âDoppelte seiner Naturâ Ă€uĂert sich in gegensĂ€tzlichem Verhalten, ein geselliger Mystiker und einsiedlerischer Weltmann [...].â Gerhart Baumann: Hugo von Hofmannsthal. âAndreas oder die Vereinigtenâ. SelbstverstĂ€ndnis und Roman. In: Ders.: Vereinigungen. Versuche zu neuerer Dichtung. MĂŒnchen 1972, S. 128.
cite-note-9696. â Gerhart Baumann: Hugo von Hofmannsthal. âAndreas oder die Vereinigtenâ. SelbstverstĂ€ndnis und Roman. In: Ders.: Vereinigungen. Versuche zu neuerer Dichtung. MĂŒnchen 1972, S. 128.
cite-note-9797. â Maximilian Bergengruen: Mystik der Nerven. Hugo von Hofmannsthals literarische Epistemologie des »Nicht-mehr-Ich«. Freiburg i. Br. 2010, S. 107.
cite-note-9898. â Jacques Le Rider: Hugo von Hofmannsthal. Historismus und Moderne in der Literatur der Jahrhundertwende, ĂŒbersetzt von Leopold Federmair, 1997, Wien, Köln, Weimar (Nachbarschaften Humanwissenschaftliche Studien 6, hrsg. von Georg Schmid und Sigrid Schmid-Bortenschlager), S. 148.
cite-note-9999. â Waltraud Wiethölter: Hofmannsthal oder Die Geometrie des Subjekts. Psychostrukturelle und ikonographische Studien zum Prosawerk. TĂŒbingen 1990, S. 6f.
cite-note-100100. â Waltraud Wiethölter: Hofmannsthal oder Die Geometrie des Subjekts. Psychostrukturelle und ikonographische Studien zum Prosawerk. TĂŒbingen 1990, S. 139 und 238.
cite-note-101101. â Richard Alewyn: âșAndreasâč und die »wunderbare Freundin«. In: Ders.: Ăber Hugo von Hofmannsthal, Göttingen 1963, 3. Auflage, S. 147f.
cite-note-102102. â Richard Alewyn: âșAndreasâč und die »wunderbare Freundin«. In: Ders.: Ăber Hugo von Hofmannsthal, Göttingen 1963, 3. Auflage, S. 151f.
cite-note-103103. â Maximilian Bergengruen: Mystik der Nerven. Hugo von Hofmannsthals literarische Epistemologie des »Nicht-mehr-Ich«. Freiburg i. Br. 2010, S. 83.
cite-note-104104. â âDas Ich ist keine unverĂ€nderliche bestimmte scharf begrenzte Einheit. Nicht auf die UnverĂ€nderlichkeit, nicht auf die bestimmte Unterscheidbarkeit von andern und nicht auf die scharfe Begrenzung kommt es an, denn alle diese Momente variiren schon im individuellen Leben von selbst, und deren VerĂ€nderung wird vom Individuum sogar angestrebt. Wichtig ist nur die ContinuitĂ€t. [âŠ] Die ContinuitĂ€t ist aber nur ein Mittel den Inhalt des Ich vorzubereiten und zu sichern. Dieser Inhalt und nicht das Ich ist die Hauptsache. [âŠ] Das Ich ist unrettbar.â Ernst Mach: BeitrĂ€ge zur Analyse der Empfindungen, Jena 1886, S. 18. Dazu auch GĂŒnter Schnitzler: Quellendichte und UnabschlieĂbarkeit. Zu Hofmannsthals âșAndreasâč-Roman. In: Bogner, Ralf u. a. (Hrsg.): RealitĂ€t als Herausforderung. Literatur in ihren konkreten historischen Kontexten. Berlin 2011, S. 455: âIm wissenschaftlichen Bereich wĂ€re sicherlich Ernst Mach zu nennen, fĂŒr den das Ich nur noch aus AggregatzustĂ€nden besteht, die sich direkt widersprechen können â diese Ăberlegungen waren nicht nur dem Mach-SchĂŒler Musil, sondern auch dem ungemein belesenen Hofmannsthal sehr gut bekannt.â.
cite-note-105105. â SW XXX, S. 40
cite-note-106106. â âDie ersten Worte des Textes und seiner Hauptfigur begleiten gewissermaĂen dessen literarischen Geburtsakt, denn wie ein zum zweiten Male auf die Welt Gekommener wird Ferschengelder zu Beginn seines Abenteuers vom mĂŒtterlichen Wasser an das unnachgiebige Festland gespĂŒlt.â Alexander Honold in: Elsbeth Dangel-Pelloquin und Alexander Honold: Grenzenlose Verwandlung: Hugo von Hofmannsthal: Biographie, Frankfurt am Main 2024, S. 461.
cite-note-107107. â âWie aus einer Komödie Goldonis erscheint maskiert und in den Mantel gehĂŒllt der Spieler, den besten StĂ€nden angehörig, aber buchstĂ€blich bis aufs Hemd ausgeplĂŒndert: sogar die Schuhschnallen sind abgeschnitten. [âŠ] Es ist die Zeit des sterbenden Venedigs, der letzten Lebensjahre der Serenissima, [âŠ] da sich die venezianische Gesellschaft in voller Auflösung befand.â Max Pirker: Hofmannsthals letzter Roman. Zur ersten Wiederkehr des Todestages in: Das Unterhaltungsblatt. Berlin: Literarische Beilage der »Deutschen Allgemeinen Zeitung«, 23. Juli 1930. Zitiert nach: Mathias Mayer (Hrsg.): Hofmannsthals âșAndreasâč â NachtrĂ€ge, Nachfragen und Nachwirkungen. Teil II: Hofmannsthals âșAndreasâč im Spiegel frĂŒher Kritik (1930â1954). In: Hofmannsthal-Jahrbuch 7/1999, S. 108.
cite-note-108108. â Einer frĂŒhen Notiz nach, geht Andreas âhauptsĂ€chlich (wenn er auf den Grund geht) darum nach Venedig weil dort die Leute fast immer maskiert gehenâ (SW XXX, S. 13).
cite-note-109109. â Richard Alewyn: âșAndreasâč und die »wunderbare Freundin«. In: Ders.: Ăber Hugo von Hofmannsthal, Göttingen 1963, 3. Auflage, S. 133.
cite-note-110110. â Jacques Le Rider: Hugo von Hofmannsthal. Historismus und Moderne in der Literatur der Jahrhundertwende, ĂŒbersetzt von Leopold Federmair, 1997, Wien, Köln, Weimar (Nachbarschaften Humanwissenschaftliche Studien 6, hrsg. von Georg Schmid und Sigrid Schmid-Bortenschlager), S. 129â157, hier S. 136.
cite-note-111111. â Seng, Joachim: »Das Halbe, Fragmentarische aber, ist eigentlich menschliches Gebiet.« Der âșAndreasâč-Roman von Hugo von Hofmannsthal. In: Fetz, Bernhard/Kastberger, Klaus (Hrsg.): Die Teile und das Ganze. Bausteine der literarischen Moderne in Ăsterreich. Wien 2003, 174â186, hier: S. 184.
cite-note-112112. â Gerhart Baumann: Hugo von Hofmannsthal. âAndreas oder die Vereinigtenâ. SelbstverstĂ€ndnis und Roman. In: Ders.: Vereinigungen. Versuche zu neuerer Dichtung. MĂŒnchen 1972, S. 138.
cite-note-113113. â Karl Gautschi: Hugo von Hofmannsthals Romanfragment âAndreasâ, Diss., ZĂŒrich 1965, S. 40.
cite-note-114114. â âHier liegen meine kleinen Geschwister Gott hab sie selig sagte sie [Romana] und bĂŒckte sich und jĂ€tete zwischen den schönen Blumen das wenige Unkraut[âŠ] Indessen las Andres die Namen ab: da waren die unschuldigen Knaben Aegydius Achaz und Romuald Finazzer, das unschuldig MĂ€dchen Sabina, und die unschuldigen Zwillingskinder Mansuet-Liberaâčtaâș. Andres schauderte in sich daĂ sie so frĂŒh hatten hinwegmĂŒssen keiner auch nur ein Jahr hier geweiltâ (SW XXX, S. 55) W. G. Sebald schreibt dazu: âSechs Geschwister Romanas [...] liegen bereits unter der Erde. Das Komplement ihrer Himmelfahrt sind die Höllenstrafen, in denen Romana sich so gut auskennt.â W.G. Sebald: Venezianisches Kryptogramm. Hofmannsthals âșAndreasâč. In: W.G. Sebald, Die Beschreibung des UnglĂŒcks. Zur österreichischen Literatur von Stifter bis Handke, Salzburg und Wien 1985, S. 71.
cite-note-115115. â Jacques Le Rider: Hugo von Hofmannsthal. Historismus und Moderne in der Literatur der Jahrhundertwende, ĂŒbersetzt von Leopold Federmair, 1997, Wien, Köln, Weimar (Nachbarschaften Humanwissenschaftliche Studien 6, hrsg. von Georg Schmid und Sigrid Schmid-Bortenschlager), S. 129â157, hier S. 145.
cite-note-116116. â âthe Finazzerhof is as little the incarnation of an earthly paradise as Gotthilff, on the other hand, is an embodiment of absolute evil.â David H. Miles: Hofmannsthalâs Novel âșAndreasâč: Memory and Self. Princeton 1972, S. 124.
cite-note-117117. â âAndreas versagt doppelt gegenĂŒber den beiden Elementen, aus denen alles Leben gemischt ist: gegenĂŒber dem Gemeinen â verkörpert durch den Bedienten Gotthilff â und gegenĂŒber dem Reinen â verkörpert durch das MĂ€dchen Romana. DaĂ er dem Erlebnis Romana nicht gewachsen ist, liegt daran, daĂ sie (wie auch Gotthilff) das ist, was er nicht ist, nĂ€mlich ganz.â Richard Alewyn: âșAndreasâč und die »wunderbare Freundin«. In: Ders.: Ăber Hugo von Hofmannsthal, Göttingen 1963, 3. Auflage, S. 144.
cite-note-118118. â Beispiele: âEr [Andreas] vermag kaum zu begreifen, wie die Eltern Romanas die aufkeimende Liebe ihrer Tochter zum Gast als selbstverstĂ€ndlich hinnehmen. Sie können dies, weil sie um die Arglosigkeit und Reinheit des MĂ€dchens wissen. Andreas wird dieser wunderbaren Reinheit zwar recht bald gewahr, ist aber vorerst gar nicht imstande, sie zu glauben.â Und: âAndreas weiĂ, daĂ sich die Reinheit Romanas auch in ihrer Sprache ausdrĂŒckt.â Karl Gautschi: Hugo von Hofmannsthals Romanfragment âAndreasâ, Diss., ZĂŒrich 1965, S. 40, 41.
cite-note-119119. â Der Unterschied der Interpretationen mag auch dadurch erklĂ€rbar sein, dass die Ă€lteren Ausgaben an dieser SchlĂŒsselstelle einen anderen Text gaben. Statt âWas bist denn Du fĂŒr eine rief er ihr staunend entgegen. So eine halt sagt sie und hĂ€lt ihm den Mund hin. Nein so eine â ruft sie wie er sie umfassen will und schlĂ€gt mit dem Rechen nach ihmâ wie es die Kritische Ausgabe (SW XXX, S. 73) bietet, heiĂt es in der Steiner-Ausgabe: ââWas bist du denn fĂŒr eineâ,rief er ihr staunend entgegen. â âSo eine haltâ, sagt sie und hĂ€lt ihm den Mund hin, ânein, so einerâ, ruft sie, wie er sie umfassen will, und schlĂ€gt mit dem Rechen nach ihmâ (Hugo von Hofmannsthal: Die ErzĂ€hlungen. In: Gesammelte Werke in Einzelausgaben, herausgegeben von Herbert Steiner, 1953, S. 158) â wie ĂŒbrigens auch die erste Buchausgabe (Hugo von Hofmannsthal: Andreas oder Die Vereinigten, Berlin 1932, S. 64).
cite-note-120120. â Waltraud Wiethölter: Das andere Gesicht: âșAndreasâč. In: Dies.: Hofmannsthal oder Die Geometrie des Subjekts. Psychostrukturelle und ikonographische Studien zum Prosawerk. TĂŒbingen 1990, S. 141.
cite-note-121121. â âAuch wenn Hofmannsthals âHeldâ als eine Gestalt des 18. Jahrhunderts konzipiert ist, so ist seine Problematik spezifisch fĂŒr das ausgehende 19. und beginnende 20. Jahrhundert.â Ursula Renner-Henke: «. . . dass auf einem gesunden SelbstgefĂŒhl das ganze Dasein ruht. . .». Opposition gegen die Vaterwelt und Suche nach dem wahren Selbst in Hofmannsthals âșAndreasâč-Fragment. In: Hofmannsthal-Forschungen, herausgegeben von Wolfram Mauser, Freiburg i. Br. 1985, Bd. 8, S. 239.
cite-note-122122. â Jacques Le Rider: Hugo von Hofmannsthal. Historismus und Moderne in der Literatur der Jahrhundertwende, ĂŒbersetzt von Leopold Federmair, 1997, Wien, Köln, Weimar (Nachbarschaften Humanwissenschaftliche Studien 6, hrsg. von Georg Schmid und Sigrid Schmid-Bortenschlager), S. 129â157, hier S. 142.
cite-note-123123. â Hermann Broch: Hofmannsthal und seine Zeit. Eine Studie. Herausgegeben und mit einem Nachwort versehen von Paul Michael LĂŒtzeler, Frankfurt am Main 2001, S. 218.
cite-note-124124. â âDer Dichter projiziert, wie bewuĂt auch immer, ein Bild von Gesellschaft und Ăffentlichkeit [âŠ] auf eine andere Epoche, dessen Grad an âPsychologisierungâ so modern ist, daĂ die historische Folie mehr als Mittel der eigenen Distanzierung denn als vergegenwĂ€rtigte Vergangenheit zu interpretieren ist.â Ursula Renner-Henke: «. . . dass auf einem gesunden SelbstgefĂŒhl das ganze Dasein ruht. . .». Opposition gegen die Vaterwelt und Suche nach dem wahren Selbst in Hofmannsthals âșAndreasâč-Fragment. In: Hofmannsthal-Forschungen, herausgegeben von Wolfram Mauser, Freiburg i. Br. 1985, Bd. 8, S. 239.
cite-note-125125. â Felix Salten: Neue Freie Presse, Wien, 11. November 1932 Zitiert nach: Mathias Mayer (Hrsg.): Hofmannsthals âșAndreasâč â NachtrĂ€ge, Nachfragen und Nachwirkungen. Teil II: Hofmannsthals âșAndreasâč im Spiegel frĂŒher Kritik (1930â1954). In: Hofmannsthal-Jahrbuch 7/1999, S. 138.
cite-note-126126. â â[âŠ] Andreas possesses literary forebears as well, the most important of whom is undoubtedly Wilhelm Meister. Not only is the novel set in the same period, the late eighteenth century, but Andreas, who is the same age as Wilhelm and is interested in the theater, has also embarked on a journey toward education in its broadest sense.â David H. Miles: Hofmannsthalâs Novel âșAndreasâč: Memory and Self. Princeton 1972, S. 113.
cite-note-127127. â Mathias Mayer: Nachwort. In: Hugo von Hofmannsthal: âșAndreasâč. Hrsg. von Mathias Mayer. Stuttgart 1992, S. 140.
cite-note-128128. â âDas Theresianische ist fĂŒr den Dichter [Hofmannsthal] eine «Zusammenfassung des österreichischen gesellschaftlichen Wesens», das noch in der eigenen Zeit weiterlebt. Die Eigenschaften, die an Maria Theresia gepriesen werden: RealitĂ€tssinn, NatĂŒrlichkeit, Frömmigkeit, Bestimmung mehr durch das GemĂŒt als durch den Intellekt, zart schonende Weiblichkeit selbst in ihren festesten Entscheidungen, Sinn fĂŒr Ăberlieferung und Tradition, VolksnĂ€he ... sind Kategorien, die Hofmannsthal auch sonst mit dem österreichischen Wesen verbindet [âŠ].â Wolfgang Nehring: Der Prinz Eugen und Maria Theresia Wiederbelebte Geschichte und GedĂ€chtnis bei Hofmannsthal im Ersten Weltkrieg, In: Studia austriaca Bd. XIII, herausgegeben von Fausto Cercignani, Mailand 2005, S. 21.
cite-note-129129. â Maria Theresia starb 1780. Das wĂ€re also eine leichte Verschiebung gegenĂŒber dem fĂŒnf Jahre zuvor verfassten Hauptentwurf, der die Handlung im September 1778 beginnen lĂ€sst, mindestens sofern die Dauer des Geschehens nicht lĂ€nger als ein Jahr hĂ€tte sein sollen.
cite-note-130130. â Dies ist nicht die einzige Zeitangabe Hofmannsthals, die nicht in Jahreszahlen, sondern in der VerknĂŒpfung mit der Regierungszeit der Kaiserin erfolgt. Der Rosenkavalier hat die Angabe: âZu Wien, im ersten Jahrzehnt der Regierung Maria Theresias.â (SW XXIII, S. 8).
cite-note-131131. â So schreibt Hofmannsthal in einer frĂŒhen Notiz: âder Frau Finazzer etwas von dem geben [âŠ] was in dem Bericht Podewils ĂŒber Maria Theresia durchzuspĂŒren ist: habituelle leichte Verstellung, ein gewisses Zur-schau-stellen gewisser Seiten.â (SW XXX, S. 13).
cite-note-132132. â âClaudio Magris sagt von Maria Theresia, daĂ sie in der Erinnerung spĂ€terer Generationen geradezu zum idealen Symbol der «AustriazitĂ€t» umgedeutet worden sei.â Wolfgang Nehring: Der Prinz Eugen und Maria Theresia Wiederbelebte Geschichte und GedĂ€chtnis bei Hofmannsthal im Ersten Weltkrieg, In: Studia austriaca Bd. XIII, herausgegeben von Fausto Cercignani, Mailand 2005, S. 21.
cite-note-133133. â Hofmannsthal selber schreibt in seinem Aufsatz ĂŒber Maria Theresia von 1917: âwir fĂŒhlen, es gibt hier ein Etwas, dessen Kontur nicht nachzuzeichnen ist: eine vollkommene Rundung, die ĂuĂerung einer ganz ausgeglichenen Kraft, die ein Mysterium war, und deren mysteriöse Nachwirkung ĂŒber anderthalb Jahrhunderte hinweg eine von den mitbestimmenden KrĂ€ften unsrer Existenz ist.â (SW XXXIV, S. 201).
cite-note-134134. â SW XXX, S. 206
cite-note-135135. â Manfred Pape: Aurea Catena Homeri. Die Rosenkreuzer-Quelle der âAllomatikâ in Hofmannsthals âșAndreasâč. In: Deutsche Vierteljahrsschrift fĂŒr Literaturwissenschaft und Geistesgeschichte, 1975, S. 680. Der vollstĂ€ndige Titel des zitierten Werks ist: Ferdinand Maack: Zweimal gestorben! Die Geschichte eines Rosenkreuzers aus dem XVIII. Jahrhundert. Nach urkundlichen Quellen, mit literarischen Belegen und einer Abhandlung ĂŒber vergangene und gegenwĂ€rtige Rosenkreuzerei, Leipzig, Verlag von Wilhelm Heims 1912.
cite-note-136136. â Manfred Pape: Aurea Catena Homeri. Die Rosenkreuzer-Quelle der âAllomatikâ in Hofmannsthals âșAndreasâč. In: Deutsche Vierteljahrsschrift fĂŒr Literaturwissenschaft und Geistesgeschichte, 1975, S. 680f.
cite-note-137137. â Nach Manfred Pape in den ErlĂ€uterungen zum Andreas, SW XXX, S. 423.
cite-note-138138. â Manfred Pape: Aurea Catena Homeri. Die Rosenkreuzer-Quelle der âAllomatikâ in Hofmannsthals Andreas. In: Deutsche Vierteljahrsschrift fĂŒr Literaturwissenschaft und Geistesgeschichte, 1975, S. 681.
cite-note-139139. â Zum VerstĂ€ndnis der lateinisch abgefassten alchemistischen Formel die folgende ErlĂ€uterung von Manfred Pape: âSolve et coagula: Das alchemistische Rezept zur Trennung und Vereinigung der sog. »materia prima« wĂ€hrend der Vorarbeit zur Herstellung des »Steins der Weisen«. Maack, a. a. 0., S. 73ffâ (SW XXX, S. 425).
cite-note-140140. â Waltraud Wiethölter: Das andere Gesicht: âșAndreasâč. In: Dies.: Hofmannsthal oder Die Geometrie des Subjekts. Psychostrukturelle und ikonographische Studien zum Prosawerk. TĂŒbingen 1990, S. 206ff.
cite-note-141141. â Waltraud Wiethölter: Das andere Gesicht: âșAndreasâč. In: Dies.: Hofmannsthal oder Die Geometrie des Subjekts. Psychostrukturelle und ikonographische Studien zum Prosawerk. TĂŒbingen 1990, S. 206.
cite-note-142142. â Waltraud Wiethölter: Das andere Gesicht: âșAndreasâč. In: Dies.: Hofmannsthal oder Die Geometrie des Subjekts. Psychostrukturelle und ikonographische Studien zum Prosawerk. TĂŒbingen 1990, S. 213.
cite-note-143143. â Waltraud Wiethölter: Das andere Gesicht: âșAndreasâč. In: Dies.: Hofmannsthal oder Die Geometrie des Subjekts. Psychostrukturelle und ikonographische Studien zum Prosawerk. TĂŒbingen 1990, S. 213f.
cite-note-144144. â Waltraud Wiethölter: Das andere Gesicht: âșAndreasâč. In: Dies.: Hofmannsthal oder Die Geometrie des Subjekts. Psychostrukturelle und ikonographische Studien zum Prosawerk. TĂŒbingen 1990, S. 215.
cite-note-145145. â Waltraud Wiethölter: Das andere Gesicht: âșAndreasâč. In: Dies.: Hofmannsthal oder Die Geometrie des Subjekts. Psychostrukturelle und ikonographische Studien zum Prosawerk. TĂŒbingen 1990, S. 218.
cite-note-146146. â Waltraud Wiethölter: Das andere Gesicht: âșAndreasâč. In: Dies.: Hofmannsthal oder Die Geometrie des Subjekts. Psychostrukturelle und ikonographische Studien zum Prosawerk. TĂŒbingen 1990, S. 222.
cite-note-147147. â Waltraud Wiethölter: Das andere Gesicht: âșAndreasâč. In: Dies.: Hofmannsthal oder Die Geometrie des Subjekts. Psychostrukturelle und ikonographische Studien zum Prosawerk. TĂŒbingen 1990, S. 223f.
cite-note-148148. â Waltraud Wiethölter: Das andere Gesicht: âșAndreasâč. In: Dies.: Hofmannsthal oder Die Geometrie des Subjekts. Psychostrukturelle und ikonographische Studien zum Prosawerk. TĂŒbingen 1990, S. 233.
cite-note-149149. â Waltraud Wiethölter: Das andere Gesicht: âșAndreasâč. In: Dies.: Hofmannsthal oder Die Geometrie des Subjekts. Psychostrukturelle und ikonographische Studien zum Prosawerk. TĂŒbingen 1990, S. 233.
cite-note-150150. â Waltraud Wiethölter: Das andere Gesicht: âșAndreasâč. In: Dies.: Hofmannsthal oder Die Geometrie des Subjekts. Psychostrukturelle und ikonographische Studien zum Prosawerk. TĂŒbingen 1990, S. 166.
cite-note-151151. â Katrin Scheffer: Schwebende, webende Bilder. Strukturbildende Motive und Blickstrategien in Hugo von Hofmannsthals Prosaschriften, zugl.: Marburg, Univ. Diss., 2007, S. 30.
cite-note-152152. â Jacques Le Rider: Hugo von Hofmannsthal. Historismus und Moderne in der Literatur der Jahrhundertwende, ĂŒbersetzt von Leopold Federmair, 1997, Wien, Köln, Weimar (Nachbarschaften Humanwissenschaftliche Studien 6, hrsg. von Georg Schmid und Sigrid Schmid-Bortenschlager), S. 153.
cite-note-153153. â Vgl. Maximilian Bergengruen: Mystik der Nerven. Hugo von Hofmannsthals literarische Epistemologie des »Nicht-mehr-Ich«. Freiburg i. Br. 2010, S. 116.
cite-note-154154. â Vgl. Maximilian Bergengruen: Mystik der Nerven. Hugo von Hofmannsthals literarische Epistemologie des »Nicht-mehr-Ich«. Freiburg i. Br. 2010, S. 83â131, hier besonders S. 115ff.
cite-note-155155. â Wiethölter hĂ€lt fest, bezeichnend sei der Ort, an dem die Begegnung des Andreas mit Gotthelff stattfinde: âdie »Herberge zum âșSchwertâč« [SW XXX, S. 47]. Am Beginn eines Kapitels, das sich auf Erotica konzentriert, das um die Mannbarkeit des Helden und das Thema der SĂŒnde kreist, mobilisiert ein solcher Name zwangslĂ€ufig Assoziationen. Angezeigt wird das MĂ€nnlichkeitsattribut, der Phallus, und das Symbol des Gerichtsâ. Waltraud Wiethölter: Das andere Gesicht: âșAndreasâč. In: Dies.: Hofmannsthal oder Die Geometrie des Subjekts. Psychostrukturelle und ikonographische Studien zum Prosawerk. TĂŒbingen 1990, S. 132.
cite-note-156156. â David H. Miles: Hofmannsthalâs Novel âșAndreasâč: Memory and Self. Princeton 1972, S. 159.
cite-note-157157. â David H. Miles: Hofmannsthalâs Novel âșAndreasâč: Memory and Self. Princeton 1972, S. 163f.
cite-note-158158. â âthe surface texture of the episode reflects the major theme: Andreasâ inability to come to terms with the dark side of love, with his own unconscious erotic desire.â David H. Miles: Hofmannsthalâs Novel âșAndreasâč: Memory and Self. Princeton 1972, S. 165.
cite-note-159159. â âIndeed, the moment is portrayed with such quick, impressionistic strokes that it is almost as if everything were a dream in Andreasâ mind, for before he knows it he is alone once more. Yet the symbolic conjunction of sunlight and darkness, of the bird and the stable, gives us the first hint that Andreasâ love for Romana may have begun to accept and transcend its darker, unconscious side.â David H. Miles: Hofmannsthalâs Novel âșAndreasâč: Memory and Self. Princeton 1972, S. 165f.
cite-note-160160. â âin a supremely symbolic scene, an eagle, soaring high above the âmythicâ conjunction of sunlight and darkness, becomes the focus of Andreasâ realization that all things, when viewed from high enough, are united.â David H. Miles: Hofmannsthalâs Novel âșAndreasâč: Memory and Self. Princeton 1972, S. 166.
cite-note-161161. â David H. Miles: Hofmannsthalâs Novel âșAndreasâč: Memory and Self. Princeton 1972, S. 172.
cite-note-162162. â David H. Miles: Hofmannsthalâs Novel âșAndreasâč: Memory and Self. Princeton 1972, S. 173.
cite-note-163163. â David H. Miles: Hofmannsthalâs Novel âșAndreasâč: Memory and Self. Princeton 1972, S. 173.
cite-note-164164. â W.G. Sebald: Venezianisches Kryptogramm. Hofmannsthals âșAndreasâč. In: W.G. Sebald, Die Beschreibung des UnglĂŒcks. Zur österreichischen Literatur von Stifter bis Handke, Salzburg und Wien 1985, S. 73.
cite-note-165165. â W.G. Sebald: Venezianisches Kryptogramm. Hofmannsthals âșAndreasâč. In: ders., Die Beschreibung des UnglĂŒcks. Zur österreichischen Literatur von Stifter bis Handke, Salzburg und Wien 1985, S. 73.
cite-note-166166. â W.G. Sebald: Venezianisches Kryptogramm. Hofmannsthals âșAndreasâč. In: ders., Die Beschreibung des UnglĂŒcks. Zur österreichischen Literatur von Stifter bis Handke, Salzburg und Wien 1985, S. 74.
cite-note-167167. â W.G. Sebald: Venezianisches Kryptogramm. Hofmannsthals âșAndreasâč. In: ders., Die Beschreibung des UnglĂŒcks. Zur österreichischen Literatur von Stifter bis Handke, Salzburg und Wien 1985, S. 68f.
cite-note-168168. â W.G. Sebald: Venezianisches Kryptogramm. Hofmannsthals âșAndreasâč. In: ders., Die Beschreibung des UnglĂŒcks. Zur österreichischen Literatur von Stifter bis Handke, Salzburg und Wien 1985, S. 63.
cite-note-169169. â Waltraud Wiethölter: Das andere Gesicht: âșAndreasâč. In: Dies.: Hofmannsthal oder Die Geometrie des Subjekts. Psychostrukturelle und ikonographische Studien zum Prosawerk. TĂŒbingen 1990, besonders S. 118â253.
cite-note-170170. â Waltraud Wiethölter: Das andere Gesicht: âșAndreasâč. In: Dies.: Hofmannsthal oder Die Geometrie des Subjekts. Psychostrukturelle und ikonographische Studien zum Prosawerk. TĂŒbingen 1990, S. 248.
cite-note-171171. â Waltraud Wiethölter: Das andere Gesicht: âșAndreasâč. In: Dies.: Hofmannsthal oder Die Geometrie des Subjekts. Psychostrukturelle und ikonographische Studien zum Prosawerk. TĂŒbingen 1990, S. 246.
cite-note-172172. â Waltraud Wiethölter: Das andere Gesicht: âșAndreasâč. In: Dies.: Hofmannsthal oder Die Geometrie des Subjekts. Psychostrukturelle und ikonographische Studien zum Prosawerk. TĂŒbingen 1990, S. 145.
cite-note-173173. â Waltraud Wiethölter: Das andere Gesicht: âșAndreasâč. In: Dies.: Hofmannsthal oder Die Geometrie des Subjekts. Psychostrukturelle und ikonographische Studien zum Prosawerk. TĂŒbingen 1990, S. 146.
cite-note-174174. â Waltraud Wiethölter: Das andere Gesicht: âșAndreasâč. In: Dies.: Hofmannsthal oder Die Geometrie des Subjekts. Psychostrukturelle und ikonographische Studien zum Prosawerk. TĂŒbingen 1990, S. 182.
cite-note-175175. â Waltraud Wiethölter: Das andere Gesicht: âșAndreasâč. In: Dies.: Hofmannsthal oder Die Geometrie des Subjekts. Psychostrukturelle und ikonographische Studien zum Prosawerk. TĂŒbingen 1990, S. 246.
cite-note-176176. â Waltraud Wiethölter: Das andere Gesicht: âșAndreasâč. In: Dies.: Hofmannsthal oder Die Geometrie des Subjekts. Psychostrukturelle und ikonographische Studien zum Prosawerk. TĂŒbingen 1990, S. 246.
cite-note-177177. â Waltraud Wiethölter: Das andere Gesicht: âșAndreasâč. In: Dies.: Hofmannsthal oder Die Geometrie des Subjekts. Psychostrukturelle und ikonographische Studien zum Prosawerk. TĂŒbingen 1990, S. 250f.
cite-note-178178. â Waltraud Wiethölter: Das andere Gesicht: âșAndreasâč. In: Dies.: Hofmannsthal oder Die Geometrie des Subjekts. Psychostrukturelle und ikonographische Studien zum Prosawerk. TĂŒbingen 1990, S. 251.
cite-note-179179. â âDie folgenden EntwĂŒrfe â so sie denn eine ErzĂ€hlinstanz offenbaren â und vor allem der Hauptentwurf bedienen sich weitenteils eines personalen ErzĂ€hlers, der zumeist zurĂŒcktritt und nicht als kommunizierende Instanz deutlich wird, sondern das Geschehen ist hĂ€ufig mittels Andreas als Reflektorfigur prĂ€sentiert.â Katrin Scheffer: Schwebende, webende Bilder. Strukturbildende Motive und Blickstrategien in Hugo von Hofmannsthals Prosaschriften, zugl.: Marburg, Univ. Diss., 2007, S. 101.
cite-note-180180. â Achim Aurnhammer: Hofmannsthals âșAndreasâč. Das Fragment als ErzĂ€hlform zwischen Tradition und Moderne. In: Hofmannsthal-Jahrbuch 3/1995, S. 284.
cite-note-181181. â Achim Aurnhammer: Hofmannsthals âșAndreasâč. Das Fragment als ErzĂ€hlform zwischen Tradition und Moderne. In: Hofmannsthal-Jahrbuch 3/1995, S. 285.
cite-note-182182. â âNot only did this form permit him to put at a distance material that was no doubt to a large extent autobiographical, but it also afforded him a far wider scope of narrative perspective and presentation. Ranging back and forth between his own point of view and that of his protagonist, he could still maintain the illusion of a single viewpoint and thus sacrifice little in structural unity.â David H. Miles: Hofmannsthalâs Novel âșAndreasâč: Memory and Self. Princeton 1972, S. 183.
cite-note-183183. â David H. Miles: Hofmannsthalâs Novel âșAndreasâč: Memory and Self. Princeton 1972, S. ix, 109, 194ff.
cite-note-184184. â Jakob Wassermann im Nachwort zur ersten Buchausgabe: Andreas oder die Vereinigten, Berlin 1932, S. 182.
cite-note-185185. â David H. Miles: Hofmannsthalâs Novel âșAndreasâč: Memory and Self. Princeton 1972, S. 194.
cite-note-186186. â Joseph Frank, Spatial Form in Modern Literature. An Essay in Two Parts, Sewanee Review, 53 (1945), S. 221â240; wieder abgedruckt in: The Widening Gyre (New Brunswick, N.J., 1963).
cite-note-187187. â David H. Miles: Hofmannsthalâs Novel âșAndreasâč: Memory and Self. Princeton 1972, S. 196.
cite-note-188188. â David H. Miles: Hofmannsthalâs Novel âșAndreasâč: Memory and Self. Princeton 1972, S. 198.
cite-note-189189. â David H. Miles: Hofmannsthalâs Novel âșAndreasâč: Memory and Self. Princeton 1972, S. 198ff.
cite-note-190190. â David H. Miles: Hofmannsthalâs Novel âșAndreasâč: Memory and Self. Princeton 1972, S. 201.
cite-note-191191. â David H. Miles: Hofmannsthalâs Novel âșAndreasâč: Memory and Self. Princeton 1972, S. 194.
cite-note-192192. â Felix Salten: Hofmannsthal: Romanfragment, In: Neue Freie Presse Wien, 11. November 1932. Zitiert nach: Mathias Mayer (Hrsg.): Hofmannsthals âșAndreasâč â NachtrĂ€ge, Nachfragen und Nachwirkungen. Teil II: Hofmannsthals âșAndreasâč im Spiegel frĂŒher Kritik (1930â1954). In: Hofmannsthal-Jahrbuch 7/1999, S. 139 â wobei mit âKapitelâ der ganze Hauptentwurf gemeint war.
cite-note-193193. â Walther Brecht: Ein Romanfragment Hofmannsthals. In: SĂŒddeutsche Monatshefte XXVIII, Heft 6, S. 455f. Zitiert nach: Mathias Mayer (Hrsg.): Hofmannsthals âșAndreasâč â NachtrĂ€ge, Nachfragen und Nachwirkungen. Teil II: Hofmannsthals âșAndreasâč im Spiegel frĂŒher Kritik (1930â1954). In: Hofmannsthal-Jahrbuch 7/1999, S. 128.
cite-note-194194. â Angelika Corbineau-Hoffmann: Der Aufbruch ins Offene. Figuren des Fragmentarischen in Prousts âșJean Santeuilâč und Hofmannsthals âșAndreasâč. Ein Versuch (Hofmannsthal-Forschungen Bd. 9), Freiburg i. Br. 1987, S. 183.
cite-note-195195. â Mathias Mayer: Nachwort. In: Hugo von Hofmannsthal: âșAndreasâč. Hrsg. von Mathias Mayer. Stuttgart 1992, 139.
cite-note-196196. â Alexander Honold in: Elsbeth Dangel-Pelloquin und Alexander Honold: Grenzenlose Verwandlung: Hugo von Hofmannsthal: Biographie, Frankfurt am Main 2024, S. 460.